Famulatur in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des EKO

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Wie jeder Medizinstudent stand ich mal wieder vor der Frage, wohin mich die nächste Famulatur führen sollte. Die Pädiatrie ist ein Fachgebiet für das ich mich schon länger interessiere: einerseits arbeite ich gerne mit Kindern zusammen, andererseits ist es ein sehr umfassendes Themengebiet. Aus diesen Gründen beschloss ich, 15 Tage der Krankenhausfamulatur in einer pädiatrischen Abteilung zu verbringen. Die Wahl fiel auf das evangelische Krankenhaus in Oberhausen, da dort sowohl eine Kinderstation, als auch eine Neugeborenenstation und eine Frühgeborenenintensiv vorhanden sind. Außerdem war ich dort als Kind selber für sämtliche Vorsorgeuntersuchungen, sodass ich bereits vorher eine sehr gute Meinung von der Abteilung hatte (schließlich durfte man sich nach der Untersuchung immer etwas aus der Überraschungsschublade aussuchen).

Dienstbeginn war, wie auf den meisten Stationen, um 7.30 Uhr. Schon vor dem eigentlichen Beginn merkte ich, dass es hier anders läuft: Ich stand vor verschlossenen Türen, was natürlich Sinn macht, damit die Kinder nicht ausbüchsen, ich jedoch schlichtweg nicht drüber nachgedacht hatte. Nachdem eine nette Schwester mich rein gelassen hatte, bekam ich meine Chipkarte, damit ich in Zukunft auch selber Türen öffnen konnte. Kleidung wurde auch gestellt, nur Essensgeld gab es in diesem Krankenhaus nicht.

Die erste Woche verbrachte ich auf der Station für Kinder und Jugendliche. Alleine schon die Übergabe früh morgens nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch, als beispielsweise die auf einer chirurgischen Station. Jedes Kind mit zugehöriger Akte wird ausführlich besprochen (natürlich auch abhängig davon, wie lange die Kinder schon aufgenommen und dementsprechend bekannt sind). Die Ärztin gab sich sehr viel Mühe, mir zwischendurch einiges zu den verschiedenen Krankheitsbildern zu erzählen, außerdem wurden leichte Zwischenfragen gestellt, die ich auch ohne pädiatrisches Vorwissen beantworten konnte. Danach ging es zur Visite. Auch hierbei ist der Zeitaufwand wesentlich größer, als auf einer Station mit erwachsenen Patienten. Die Kinder selber können sich oft nicht äußern, was ihnen fehlt, sodass das weitere Vorgehen neben den physischen Aspekten, auch deutlich von der Auffassung der Eltern abhängt. Hierbei fiel mir auf, dass das Empfinden von Eltern und Ärzten teils in komplett entgegen gesetzte Richtungen geht. Während das Kind lachend auf dem Bett rumhüpft, wird den Ärzten erzählt, wie schlecht es dem Kind geht und dass es sehr große Schmerzen habe. Auch wenn es sich ohne mit der Wimper zu zucken, auf dem Bauch herumdrücken lässt, beharren die Eltern auf ihrer Meinung. Dies trifft natürlich nicht auf alle Eltern zu, aber doch auf einige. Dabei habe ich gemerkt, wie schnell ich dadurch ungeduldig werde, die länger erprobten Ärzte ließen sich jedoch nichts anmerken. Des Weiteren leiden viele Eltern mit ihren Kinder verständlicherweise extrem mit, sodass die Ärzte nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern selbst beruhigen müssen und teilweise auf Unverständnis oder sogar Missfallen oder Anschuldigungen stoßen, wenn nicht genau gesagt werden kann, woher das Kind seine Krankheit hat. Bei der Visite wird jedes Kind komplett körperlich untersucht, das heißt auskultiert und palpiert, wobei auch immer Wert darauf gelegt wurde, dass ich jedes Kind mit abhöre, zumindest soweit es das Kind zulässt. Ein weiteres Problem im Umgang mit Kinder ist, dass diese nicht verstehen, warum sie neue Zugänge brauchen oder Blut abgenommen wird, sodass einige schon beim Anblick von Ärzten in Tränen ausbrechen oder sich nicht untersuchen lassen wollen. Obwohl man ihnen hilft, war es zu Beginn sehr befremdlich für mich, weinende Kinder mit zu untersuchen, wobei man denke ich, mit der Zeit durchaus abhärtet. Auch hierbei merkte man deutlich, wie die Eltern, insbesondere die Mütter, extrem mitleiden.

Ein weiterer großer Unterschied zu den Erwachsenenstationen, besteht auch in den Arztbriefen. Wo in der Erwachsenenmedizin eher, meiner Meinung nach, kürzere, präzise Arztbriefe bevorzugt werden, sind die pädiatrischen Arztbriefe teilweise mehrere Seiten lang. Ein Arztbrief, von einem jungen Mädchen das vier Wochen dort war, war beispielsweise zehn DIN-A4 Seiten lang, sodass ein Großteil der Zeit der Ärzte für das Schreiben eben jener Briefe verwendet wird.

In der Notaufnahme zeigten sich ähnliche Herausforderungen: Eltern, die mit ihren kranken Kindern kommen, wo man sich größtenteils auf die Fremdanamnese verlassen muss, um herauszufinden, ob das Kind tatsächlich einen Fieberkrampf hatte oder lediglich „einmal gezuckt“ hat. Mein Eindruck war jedoch, dass hier sehr viel Wert vor allem auf das elterliche Empfinden gelegt wird. Mehrmals wurde im Gespräch mit den Eltern betont, dass sie ihr Kind am besten kennen würden und letztlich entscheiden müssten, ob das Kind so krank sei, um aufgenommen zu werden. Ich war mehrmals sehr beeindruckt, von der einfühlsamen Gesprächsführung der Ärzte und Ärztinnen, die ich so in noch keiner Famulatur miterlebt habe.

Zusätzlich wurden auch mehrere Jungendliche eingeliefert, meistens auf Grund von Ohnmachtsanfällen, welche dann auch zu weiteren Abklärung aufgenommen wurden, um mittels EEG und EKG abzuklären, ob den Synkopen körperliche Ursachen, wie beispielsweise eine Epilepsie zu Grund liegen. Auch Jugendliche mit dem Verdacht auf Meningitis, also Hirnhautentzündung, werden hier diagnostiziert und behandelt. Dies zeigt auch wieder wie groß das Pädiatrie Gebiet ist, da sämtliche Krankheiten behandelt werden, die Kinder und Jugendliche betreffen, und nicht beispielsweise ausschließlich kardiologische oder neurologische Erkrankungen.

Ich kann jedem empfehlen, auch eine Famulatur in einer pädiatrischen Abteilung zu machen, da man hier Medizin von einer ganz anderen, spannenden Seite kennen lernt. Außerdem denke ich, dass man in so gut wie jedem Fachbereich ab und zu auch Kinder behandeln muss, sodass ein gewisses Grundwissen in dieser Hinsicht sehr hilfreich ist.

Eure Myriam

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