Die internistische Famulatur

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Ich habe meine dritte Famulatur nach dem 3. klinischen Semester absolviert. Damals hatte ich schon meine Doktorarbeit in der Kardiologie angefangen und so hat es sich angeboten die Famulatur auch in der Abteilung, in der mein Doktorvater ist, zu absolvieren. Als kleine Bemerkung diesbezüglich habe ich meine Doktorarbeit über ein einwöchiges Praktikum bekommen habe, das ich ebenfalls in der Abteilung gemacht habe. Natürlich hatte ich dadurch ein paar Vorteile, dennoch wird man als Famulant (leider) oft als Hilfskraft betrachtet, der die Arbeiten machen soll, die gemacht werden müssen und zu denen die Stationsärzte wenig Zeit und/oder Motivation haben.

Was waren meine Aufgaben?

  • Morgendliche Blutabnahmen oder auch tagsüber, wenn während der Visite entschieden wurde doch noch ein Labor zu machen.
  • Periphervenöse Zugänge legen
  • Aufnahmen machen
  • Organisation im Sinne von Befundanforderungen von Hausärzten bzw. niedergelassenen Ärzten
  • Anmeldung von Untersuchungen

Natürlich war es möglich an der Morgenbesprechung, die ungefähr eine halbe Stunde gedauert hat, teilzunehmen. Es wurde mir aber auch gesagt, dass es dann eben sein kann bis zur Visite nicht rechtzeitig mit den Blutabnahmen fertig zu werden und diese somit zu verpassen. So war es mir überlassen, was ich lieber mache, Frühbesprechung vs. Visite. Ich fand es auf der Station toll, dass die Oberärztin sich an sehr vielen Tagen die Zeit genommen hat die Visite mitzugehen oder immerhin die Akten der Patienten durchzusprechen. Davon konnte ich sehr viel lernen, gerade was aktuelle Befunde, Änderungen und Interpretation dieser und die eventuell damit verbundene Therapiezieländerung betraf. Ich durfte Fragen stellen, mich selber einbringen, was auch gerne gesehen wurde und somit fiel die Entscheidung leicht mich jeden Morgen gleich an die Blutabnahmen zu machen, um dann diese kurze Teaching-Stunde mitzunehmen.

Dennoch konnte es sein, dass ich durch die neuen Patienten, die sich zur stationären Aufnahme angemeldet haben, aus der Visite rausgerissen wurde.

Ich fand es schade, dass es keinerlei Möglichkeit zur Weiterbildung im Sinne eines Studentenkurses gab. Weder theoretisch, noch praktisch. Gerade Ultraschall ist ein Tool, was man in so vielen Fachrichtungen braucht und, zumindest an der LMU, während des Studiums sehr zu kurz kommt. Auch andere Fortbildungen wie EKG-Kurs, Seminare mit internistischen Themen etc. gab es keine. Somit war man darauf angewiesen, dass der Stationsarzt neben der Arbeit, die er ohnehin erledigen muss, sich noch ein bisschen Zeit nimmt was zu erklären.

Auf der anderen Seite kann man es auch so sehen, dass die Unikliniken zur Lehre verpflichtet sind und man diesen Fakt in meinen Augen auch zu Herzen nehmen kann. Ich kann mich zwar nicht mehr an den Zusammenhang erinnern, aber es wurde mir mal gesagt, dass wir Studenten in einer Hol- und einer Bringschuld stehen. Zum einen sind wir natürlich dafür da den Ärzten unter die Arme zu greifen, andererseits aber auch ein Recht darauf haben was zu lernen. Dieses Recht können wir mit der Holschuld sozusagen einfordern, in dem wir Fragen stellen und somit Interesse zeigen.

Nicht oft – aber manchmal – war nachmittags Zeit einen Blick in die interventionellen Bereiche, wie dem Herzkatheter, der Rhythmologie, dem Schrittmacher oder der Echokardiographie zu werfen. Wenn man Glück hatte wurde einem auch etwas erklärt, sodass man überhaupt wusste was gemacht wurde.

Ich habe es so empfunden, dass Famulanten und PJ-Studenten anders behandelt werden bzw. dem PJ-Studenten mehr zugetraut wird (klar, er hat ja auch mehr Wissen). Im Vergleich zu meinem PJ-Tertial, das ich an einem nicht-universitären Haus gemacht habe, habe ich den Eindruck, dass man an zuletzt genannten als Student mehr profitieren kann und der Lernerfolg größer ist.

Dennoch kann ich den Kommilitonen, die auf der Suche nach einer Doktorarbeit sind oder sich eine Abteilung, die sie sich für eine spätere Anstellung vorstellen könnten, empfehlen dort eine Famulatur zu machen. Man hört ja vieles, wenn man sich mit den unterschiedlichen Leuten unterhält. Aber am Besten ist immer noch, wenn man sich selber ein Bild davon macht.

Meistens weiß man bei den Famulaturen noch nicht so genau, was man später machen möchte, da man gerade zu Beginn der Famulaturen auch noch am Anfang des klinischen Abschnittes besteht. Ich kann nur jedem empfehlen die Famulaturen möglichst breit gefächert zu absolvieren, denn so sieht man vieles, kriegt vieles mit und kann so den einen oder anderen Fachbereich in die nähere Auswahl ziehen oder ausschließen.

Nichtsdestotrotz machen Famulaturen Spaß, denn man kann endlich das theoretisch Gelernte am Patienten anwenden und zudem noch reichlich Erfahrung in klinischen Tätigkeiten sammeln. Zudem macht der Umgang am und mit dem Patienten sehr viel Spaß.

Ob und wieviel man während einer Famulatur lernt hängt zum einen von der eigenen Motivation ab und zum anderen natürlich auch davon wie die Station auf der man gerade ist, personell besetzt ist und somit entweder mehr oder weniger Zeit für Teaching besteht. Auch kommt es auf die Motivation der Ärzte darauf an, ob sie gewillt sind einem was beizubringen oder ob sie einen eher als Hilfskraft sehen.

Für welche Fächer ihr euch für die Famulaturen auch entscheidet, geht motiviert da hin, denn man merkt, ob ein Student was lernen möchte oder nicht. Schlussendlich kann man bei jedem Praktikum etwas lernen, von dem man irgendwann profitiert und anwenden kann.

Eure Eva

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