Die Hausarztfamulatur

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Endlich in der Klinik. Statt der Pflegepraktika sind es jetzt die Famulaturen die mich jede Semesterferien begleiten. Schon in der Vorklinik habe ich mit Kommilitonen oft überlegt, wie wir diese vier Monate verbringen würden. Nun sind diese vier Monate nicht ganz frei wählbar. Dank des Landarztmangels ist ein Monat in der Allgemeinmedizin mittlerweile Pflicht. Obwohl ich mir für meine Zukunft definitiv keine Stelle in der Allgemeinmedizin vorstellen kann, hatte ich die Hoffnung in der Praxis doch zumindest ein wenig Handwerkszeug für den klinischen Alltag zu lernen.

Schon zu Beginn meines Studiums hat meine Hausärztin in meinem Heimatort mir angeboten für die Famulatur zu ihr in die Praxis zu kommen und dieses Angebot habe ich gerne angenommen. Direkt nach dem, nach der Klausurenphase bitter nötigem, Urlaub ging es dann im März in die Gemeinschaftspraxis in einem kleinen Dorf. Die medizinischen Fachangestellten und die Ärzte haben mich sofort lieb aufgenommen und die Praxis kannte ich ja schon als Patientin. Zu Beginn bin ich immer mit einem der beiden Ärzte mitgelaufen und bin zu den Patienten mitreingegangen.

Die Ärztin hat immer vorher gefragt, ob eine Medizinstudentin mit in den Raum darf und erfreulicherweise waren die meisten Patienten einverstanden und fanden es sogar gut, dass Studenten in der Praxis ausgebildet werden. Selbst bei Gesprächen zur psychischen Situation haben viele Patienten eingewilligt, dass ich mithören durfte.

Nach einigen Tagen durfte ich die Blutabnahmen zum Teil übernehmen und das hat auch nach einem mutigen ersten Patienten ganz gut geklappt und ist gar nicht so schwer wie man es sich manchmal vorstellt. Unter Aufsicht der Ärztin durfte ich auch subkutane Schmerzspritzen setzen. Der Bereich in dem ich am meisten gelernt habe war aber wohl das Ultraschallgerät. Vor der Famulatur habe ich in dem grauen Durcheinander kaum etwas erkannt und erst recht nicht gefunden. Jetzt finde ich alle Organe selbst und kann diese auch ganz gut darstellen, obwohl die pathologischen Veränderungen mir doch noch recht schwerfallen. Besonders beeindruckend war das Bild einer akuten Gallenblasenentzündung, mit der wir gar nicht gerechnet haben, da die Patientin keine Schmerzen hatte und aus ganz anderen Gründen die Praxis aufgesucht hat. Weitere interessante Fälle waren eine schweres Pfeiffersches Drüsenfieber und eine heimbeatmete Patientin die wir zu Hause besucht haben. Bei der letzteren war sogar der Trachealkanülenwechsel dran und ich konnte mir dies genau ansehen. Zum Ende der Famulatur bin ich selbst zu den Patienten in das Behandlungszimmer gegangen und habe mir eine Diagnose überlegt und alles dokumentiert bevor einer der Ärzte hinzugekommen ist und kontrolliert hat.

Obwohl ich nicht als Hausarzt arbeiten möchte habe ich in dieser Famulatur viel mehr gelernt als ich gehofft hatte und kann nur sagen, dass die Hausarztfamulatur wirklich Spaß macht. Ich würde allerdings empfehlen die Famulatur entfernt von der Uni zu machen, da die Praxen in Unistädten oft überfüllt sind und die Ärzte weniger Zeit haben. Das haben jedenfalls Kommilitonen erzählt. Überlegt euch zudem was ihr besonders lernen wollt, da nicht jede Praxis zum Beispiel Reisemedizin und Ultraschall anbietet.

Also viel Spaß und keine Angst vor der ersten Famulatur!

Eure Pia

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