Forschen in den USA – na klar

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Ich wollte immer Medizin studieren und dann in die Forschung gehen. Jetzt frage ich mich manchmal – wie kam ich damals eigentlich darauf? Ich hatte ja eigentlich vorher nie etwas in die Richtung gemacht (es waren definitiv NICHT die naturwissenschaftlichen Praktika in der Schule die mich darauf gebracht haben!). Naja, wie dem auch sei, mir war klar, ich muss es erstmal ausprobieren. Und für einen angehenden Mediziner mit Forschungsschwerpunkt, hier “Physician Scientist”, ist die Doktorarbeit meiner Meinung nach ein idealer Zeitpunkt.

Meine Doktorarbeit hab ich dann letztendlich in der Anatomie gemacht – und die Arbeit im Labor hat mir super Spaß gemacht. Hier möchte ich nur kurz betonen – das Thema ist vermutlich am Unwichtigsten, denn mit der Zeit wachst ihr da so hinein und alles kann unglaublich spannend sein. Ich hatte vorher kaum etwas von “Pemphigus vulgaris” gehört – eine Autoimmunerkrankung der Haut die sehr selten ist – und ich finde es bis heute super spannend. Nach etwa 2,5 Jahren fast Vollzeitlabor (danke TU München für die Möglichkeit eines flexiblen Stundenplans!) konnte ich mich Stolz auf eine großteils abgeschlossene Doktorarbeit blicken. Aber ich hatte auch noch Lust auf mehr bekommen und ich wollte “etwas Anderes sehen”. Und so landete ich in der Immunologie an der Uni Yale. Wie ich dahin gekommen bin, werde ich oft gefragt. Ich hab mich einfach USA-weit (nun mal “the place to be for science!”) in guten Instituten beworben und habe dann meinem ersten Skype-Interview sofort zugesagt. Mein zukünftiger Chef war so klasse, dass ich gar nicht anders konnte. Es sollte um die Autoimmunerkrankung “Antiphospholipid-Syndrom” gehen, z.T. auch um Systemischen Lupus Erythematosus. Die Idee hier ist, dass bestimmte Darmbakterien in manchen Leuten vermehrt vorkommen, eigentlich harmlose kommensalisch lebende Bakterien, welche aber aufgrund struktureller Ähnlichkeit zur Entwicklung von Autoantikörper gegen das Hautantigen von APS, nämlich ß2-Glykoprotein (ß2-GPI) führt.

Erst hatte ich nur 6 Monate geplant, aber nachdem ich dann durch Änderung der AppÖ zum ersten Jahrgang mit HEX for dem PJ gehören sollte, beschloss ich spontan erst dieses in die Tasche zu stecken und dann ins Ausland zu gehen. Ich hatte außerdem großes Glück ein super tolles MD fellowship zu bekommen und damit wurde aus dem 6 Monate Plan dann ein Forschungsjahr. Und hier bin ich nun – seit über 12 Monaten – und will gar nicht mehr weg. Die Arbeit im Labor macht großen Spaß und Yale als Universität ist nicht nur renommiert, sie bietet auch viel (muss sie wohl auch bei den Studiengebühren die hier Studierende so zahlen). Es gibt viele Seminare auf denen Wissenschaftler aus aller Welt kommen und ihre neusten Ergebnisse präsentieren, aber auch studentische Seminare der phD-Studenten, die ihre Projekte vorstellen und Feedback von den “Großen” bekommen. Darauf folgt – wie so oft – free Pizza und free Beer. Man trifft in New Haven, der Stadt in der sich die Uni befindet, auch unheimlich viele Internationale – aber insgesamt muss ich echt betonen, dass ich angenehm überrascht war von der Offenheit und Freundlichkeit eines Jeden den ich bisher hier getroffen habe. Ich musste mich eigentlich eher daran gewöhnen, dass hier jeder noch so Unbekannte sofort mit einem spricht. “How is it going” – der Satz den man im Bäcker vom Kassierer hört, in der Bibliothek vom Sicherheitsmann oder einfach auch vom Kollegen im Labor.

New Haven an sich ist sicherlich nicht die Stadt in der man gewohnt haben muss, denn außer Yale gibt es nicht viel und das was es gibt, kann auch etwas verstörend für einen Deutschen sein. Die Kriminalitätsrate gilt als relativ hoch – was definitiv auch mit der Größe der Stadt zusammenhängt, aber dennoch sind hier die Schichten klar zu erkennen. Das ist in jedem Fall deutlich stärker ausgeprägt als auch nur irgendwo bei uns in Deutschland. Die Leute sind entweder “Yale-associated” und haben Geld – oder sie sind arm, haben keine Krankenversicherung und zum Teil kein Dach über dem Kopf. Auch daran musste ich mich anfangs gewöhnen und in anderen Städten wie zum Beispiel Boston ist das wohl nicht so, aber mit der Zeit ist auch das normal geworden. Ich verbringe viel Zeit im Labor – aber sehr gerne und von mir aus – hier wird niemand zur Arbeit gezwungen ? – und wenn ich dort nicht stecke, dann findet man mich mit Freunden in einer Kneipe, bei einer Hausparty oder die Gegend erkunden. Mit 1,5 Stunden von New York und etwa 2 Stunden von Boston entfernt (alles mit dem Zug für erschwingliche Preise) – macht man auch mal schnell einen Samstags-Shoppings-Trip in der Shopping-City schlechthin. Dass mein Forschungsaufenthalt leider schon eher am Ende als am Anfang ist, dem blicke ich fast etwas traurig entgegen. Aber mein fester Plan ist jetzt ab Mai in den USA ein Praktisches Jahr zu machen –und es schaut auch ganz gut aus, für den ersten Zeitraum habe ich bereits Zusagen erhalten. Vielleicht werde ich noch ganz zum Ami – wer weiß…?

Eure Carina

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