Das Monster namens schriftliches Physikum

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Vorneweg möchte ich sagen, dass es unglaublich viele verschiedene Lerntypen gibt. Jeder muss für sich herausfinden, was für ihn am effektivsten ist, aber vielleicht kriegt der ein oder andere ja Denkanstöße.

Ich war schon immer eher jemand der lieber früher als später gelernt hat. Während andere nur unter Druck richtig arbeiten können, ist das eher nicht so meins. Daher habe ich in den Semesterferien zwischen dem Wintersemester und dem Sommersemester, also rund sechs Monate vorm Physikumstermin, angefangen zu lernen. Da die naturwissenschaftlichen Fächer am weitesten zurücklagen, habe ich zunächst meine Nase in Biologie, Chemie und Physik gesteckt. Ich kann mir nur Sachen merken, wenn ich sie selber zusammen schreibe, deswegen habe ich mir meine eigenen Skripte erstellt, um sicher zu sein, dass dort auch wirklich nur Sachen drinstehen, die ich bis dahin nicht weiß. Das kommt auch stark auf das Vorwissen an. Dadurch dass ich Chemie als drittes Abiturfach hatte, fiel dieses Skript eher kleiner aus, das Physikskript dafür umso dicker.

Das vierte vorklinische Semester wird in Düsseldorf relativ knapp gehalten und ist zur Wiederholung konzipiert. So hatte ich pro Woche jeweils ein Seminar Anatomie und ein Seminar Physiologie, für das man physikumsrelevante Themen vorbereiten musste. Hierbei kann ich nur raten, dass es sich tatsächlich lohnt Referate, die man gezwungenermaßen halten muss, direkt ausführlich zu machen, um sie dann zur Physikumsvorbereitung nutzen zu können. Natürlich spart man Zeit, wenn man die Referate kurz hält, hat dafür aber doppelte Arbeit, da das Thema früher oder später wieder auf dem Schreibtisch liegt und man sich doch damit beschäftigen muss. Neben dem Semester habe ich zwar fleißig Skripte geschrieben, das effektive Lernen blieb jedoch trotzdem größtenteils auf Grund von Zeitmangel auf der Strecke. Für die größeren Fächer, sprich Anatomie, Physiologie und Biochemie, habe ich mit „richtigen“ Lehrbüchern gearbeitet, sonst fast ausschließlich mit speziell fürs Physikum geschriebenen Wiederholungsbüchern.

Die Semesterferien unmittelbar vor der angsteinflößenden Prüfung waren alles andere als entspannend. Während der Nicht-Mediziner-Freundeskreis und die Familie fröhlich in den Urlaub fuhren, hatte ich einen sehr strikten (selbst aufgestellten) Zeitplan. Morgens 1,5 Stunden lernen, eine Stunde Pause, noch mal 1,5 Stunden lernen und dann je nach Tagesform entweder Themen nachlernen oder noch etwas zusammenfassen. Und natürlich kreuzen bis zum geht nicht mehr. Ich persönlich habe immer direkt die gerade gekreuzten Themen gelernt, um direkt zu überprüfen, ob meine Skripte ihren Sinn erfüllt hatten oder wo noch Vertiefungsbedarf besteht. In Zeiten des Internets fand ich sehr angenehm online zu kreuzen (nur nicht exzessiv die Woche vorher, wie erwartet ist der Server in der Endspurtphase regelmäßig zusammen gebrochen). Viele Universitäten haben Vorklinikzugänge sodass man umsonst die Staatsexamina seit 1998 kreuzen kann und immer direkt die passende Erklärung erhält, um den Lerneffekt noch einmal zu verbessern. Ich habe mir die letzen vier Examina aufbewahrt und vier Wochen im Voraus jeweils ein Examen die Woche gekreuzt und habe versucht so gut es geht realistische Bedingungen zu schaffen, sprich die Examina ausgedruckt (im Physikum kann man ja schließlich auch nicht auf dem Tablet rumklicken) und hab mir einen Timer gestellt.

Natürlich hat jeder mal mehr oder weniger motivierte Tage und es kam auch durchaus vor, dass ich schon um zwölf Uhr morgens nichts mehr in meinen Kopf hineinbekommen habe, aber solange man rechtzeitig zu lernen beginnt und solche Tage einplant, geht schon alles gut. Super wichtig ist auch eine Familie, die einen in dieser Zeit ertragen kann. Meine Stimmungsschwankungen von „ach das wird schon“ bis zu „ich schaff das niemals“ innerhalb von fünf Minuten tun mir heute noch leid. Letztendlich war ich froh, als der Termin da war. Das ewige Wiederholen und doch immer eine Kleinigkeit vergessen hatte ein Ende (so der Plan, die Umsetzung haperte ein wenig, da das mündliche Physikum leider auch noch vor der Tür stand, aber das ist noch mal eine andere Geschichte). Die Prüfung an sich war natürlich sehr nervenaufreibend, aber die Zeit vergeht schneller als man denkt. Und wenn die Zeit rum ist, ist man einfach nur erleichtert, dass man den Bogen endlich abgeben darf.

Am Ende war es so, wie alle gesagt haben, denen man doch nicht glaubt: es ist im Nachhinein wesentlich einfacher als es auf den ersten Blick erscheint, man darf nur nie den Mut verlieren. Zum Schluss noch eine kurze Anekdote vom Tag der Tage: nachdem es hieß „Bitte kontrollieren Sie Ihre Bögen auf Richtigkeit“ und jeder kurz die Daten überflog, getreu dem Motto „was soll schon falsch sein“ blieb mir fast das Herz stehen, auf meinem Bogen war sowohl mein Nachname als auch mein Geburtsort mit „Ottersbach“ angegeben. An sich nichts wildes, aber da meine Nerven eh kurz vorm Zerreißen standen, war es schon ein Schreck. Der Aufpasser und meine Mitstudenten mussten herzlich lachen und diese Verwechslung verfolgt mich bis heute – aber naja, es gibt schlimmeres!

Eure Myriam

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