Wenn das Physikum vor der Tür steht – Vorbereitung auf das erste Staatsexamen

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Es klingelt. Doch als ich die Tür öffne ahne ich bereits, dass das Physikum unmittelbar davorsteht. Es ist groß und hat ungefähr ein Dutzend Bücher im Gepäck. Großspurig überreicht es mir diese mit den Worten, ich könne sie schon einmal auswendig lernen. Solange würde es sich das Physikum auf meiner Couch bequem machen. Obwohl ich jetzt schon keine Lust auf Lernen habe, mache ich mich an die Arbeit.

Das Physikum, auch bekannt als erstes Staatsexamen prüft alles ab, was Studierende in zwei Jahren Vorklinik gelernt haben. Die Vorbereitung sollte also alle Fachgebiete so gut wie möglich abdecken. Bei manchen reicht ein Kurzlehrbuch, die Anatomie haben die meisten meiner Kommilitonen allerdings mit dem eher dickeren Sobotta gelernt. Zunächst sollten dabei die Grundlagen verstanden werden. Doch in letzter Zeit prüft das IMPP gerne auch Detailwissen ab. Wenn man davon nicht schon gehört oder es irgendwo aufgeschnappt hat, dann wird in der Prüfung gerne improvisiert. Das schriftliche Physikum findet an zwei aufeinander folgenden Tagen im August statt. Am ersten Tag werden Fragen zur Physik, Chemie, Biochemie und Physiologie gestellt. Am nächsten Tag schließlich zur Biologie, Histologie, Anatomie und Medizinische Psychologie und Soziologie. Jeder Prüfungstag beginnt um 9 Uhr morgens und endet nach vier Stunden. Die Sitzplätze sind fest vorgeschrieben und das Verlassen des Prüfungsraumes ist nicht gestattet. Dafür gibt es extra angrenzende Toiletten, wenn sich die Nervosität kurz vor Beginn des Examens bei so Manchem bemerkbar macht. Der Fragenkatalog darf nach Ende der vier Stunden mitgenommen werden. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn in der U-Bahn schon die ersten Ergebnisse verglichen werden. Mein Tipp für das schriftliche Physikum ist neben einer guten Vorbereitung auch eine gewisse Gelassenheit. Die Zeit für die Beantwortung der Fragen sollte absolut ausreichend sein und schlussendlich handelt es sich immer noch um Multiple-Choice-Aufgaben. Bitte daran denken die Fragen rechtzeitig auf dem Antwortbogen anzukreuzen. Einige Studierende haben sich durch fehlendes Zeitmanagement um eine bessere Note gebracht, weil sie die letzten 25 Aufgaben nicht mehr übertragen haben. Das ist im Nachhinein ein sehr ärgerlicher und vor allem vermeidbarer Fehler.

Die drei wichtigsten Fächer Anatomie, Biochemie und Physiologie werden zusätzlich zur schriftlichen Prüfung mündlich abgefragt. Dabei ist die Prüferkombination nicht uninteressant. Bei meinem mündlichen Physikum hatte ich eine Anatomieprüferin, die sehr viel Wert auf die Histologie der einzelnen Organe gelegt hat und allen Studierenden mehrere mikroskopische Bilder vorgelegt hat. Die Prüferin der Physiologie hat dann die Themengebiete zum Teil übernommen und ihre fachspezifischen Fragen dazu gestellt. Jetzt kann man an der LMU München froh darüber sein, dass wir einen sogenannten Protokolldienst haben, der den Studierenden Prüfungsprotokolle aus vergangenen Semestern zur Verfügung stellt, damit diese sich auf den jeweiligen Prüfer einstellen können. Hier gilt ebenfalls: Macht euch nicht verrückt. Fast alle Prüfer helfen euch gerne weiter, wenn ihr auf dem Schlauch steht und wollen, dass ihr das Examen gut besteht. Ihr solltet nur einigermaßen selbstbewusst auftreten, schließlich habt ihr euer Wissen auch schon unzählige Male während der vergangenen 2 Jahre unter Beweis gestellt.

Als ich nach mehreren anstrengenden Wochen zurück ins Wohnzimmer komme, sitzt das Physikum zwar immer noch auf meiner Couch, doch wir haben auch eine gewisse Freundschaft aufgebaut. Wir trinken gemeinsam einen Kaffee und schwelgen in Erinnerungen an die sehr intensive Zeit, die nun hinter uns liegt.

Eure Gina-Maria

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