Tausche Lehrbuch gegen Blutdruckmanschette – Pflegepraktikum im Medizinstudium

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Zunächst möchte ich dir einen Überblick über den Arbeitsalltag auf Station eines Klinikums verschaffen. Stell dir vor, es ist 5 Uhr und dein Wecker geht. Für Studierende sehr früh, aber für das Pflegepersonal in einem Krankenhaus durchaus normal. Deine Schicht beginnt um 6 Uhr mit einer Tasse Kaffee und der Besprechung einiger Patienten, nach ihrem jetzigen Befinden und vorangegangenen Untersuchungen. Dann folgt deine erste Aufgabe: Blutdruckmessen auf der ganzen Station. Da können bei 90 Tagen Pflegepraktikum schon bis zu 1000 Werte zusammenkommen. Manche Patienten freuen sich dabei wahrscheinlich über deine Anwesenheit. Andere werden nur ungern von dir geweckt und sind recht mürrisch, weil sie einen weiteren Tag im Bett verbringen müssen. Nach deinem Rundgang über die Station trägst du deine Messungen in die Patientenkurven ein und hilfst anschließend das Frühstück zu verteilen. Dabei gilt es zu beachten, dass einige Kranke heute nüchtern bleiben müssen, da bei ihnen wichtige Untersuchungen oder Operationen anstehen. Nachdem dies erledigt ist, darfst du dir selbst dein Frühstück gönnen.

Am Vormittag stehen dann noch weitere Aufgaben auf deiner To-Do-Liste. Die Betten von Patienten, welche über längere Zeit bei euch bleiben, müssen frisch bezogen werden. Ein paar Menschen brauchen vielleicht Hilfe bei der Körperpflege oder wollen sich mit dir unterhalten und ihren Frust von der Seele reden. Außerdem begleitest du Verletzte zum Röntgen oder zu Injektionstherapien. Dabei nimmst du dem Pflegepersonal zum Teil viel Arbeit ab und die meisten Patienten freuen sich, wenn du dich ohne Zeitdruck mit ihnen beschäftigst. Gegen 12 Uhr folgt das Mittagessen und nach anschließendem Blutdruckmessen und Übergabe an die nächste Schicht, hast du um 14 Uhr Feierabend. Den hast du dir nun aber auch verdient, zumal du morgen Spätdienst hast und ausschlafen kannst.

So oder so ähnlich läuft wahrscheinlich der Großteil deines Pflegepraktikums ab, doch wann sollte ich damit beginnen? Noch vor dem Medizinstudium oder währenddessen? Das hängt ganz davon ab, wie viel Zeit zwischen deinem Abitur und dem ersten Semester an deiner Universität vergeht. Bei Studierenden, die direkt nach ihrem Abschluss mit dem Studium beginnen, ist es oft nicht möglich das gesamte Praktikum im Vorfeld zu absolvieren. Dieses muss dann in den Semesterferien nachgeholt werden. Dabei gilt, dass mindestens 90 Tage auf Station verbracht werden müssen und davon jeweils mindestens 30 Tage am Stück. Krankheitsbedingte Ausfälle müssen nachgeholt werden. Bei der LMU München können sich daraus allerdings ein paar Probleme ergeben. Zum einen finden auch andere Praktika in den Fächern Biologie und Chemie in deiner vorlesungsfreien Zeit statt. Zum anderen ist die vierte Anatomieprüfung direkt nach den Semesterferien terminiert. Du solltest also auch während des Praktikums in der Lage sein, etwas für das Testat vorzubereiten. An anderen Universitäten wird es dir vermutlich ähnlich ergehen. Mit ein bisschen Zeitmanagement sollte das kein Problem darstellen, aber wenn du auf deine Semesterferien nicht verzichten möchtest, würde ich dir raten zumindest einen Teil des Praktikums vor Beginn des Studiums zu bewerkstelligen.

Insgesamt war für mich das Pflegepraktikum sehr erlebnisreich. Die Abläufe und der Stationsalltag mögen zwar ein bisschen monoton erscheinen, die Patienten sind jedoch oft glücklich, wenn du ihnen ein bisschen Aufmerksamkeit schenken kannst. 90 Tage können dabei relativ schnell vergehen, sofern du ein nettes Team um dich hast und die Atmosphäre stimmt. Suche dir am besten eine Klinik in deiner Nähe aus, damit du bei frühem Schichtbeginn nicht durch die ganze Stadt pendeln musst.

Eure Gina-Maria

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