Nur wer keine Fehler macht, ist richtig in der Medizin?

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Kommt dem ein oder anderem der Gedanke bekannt vor? Dass man perfekt sein muss und fehlerfrei? Dass man mit einem kleinen Fehler seine Approbation verliert? Ich persönlich habe mir über Fehler, je mehr ich in den Klinikalltag reinkam, mehr Gedanken gemacht.

Jeder macht sie irgendwann einmal – der eine früher, der andere später – Fehler. Sie gehören zur Arbeit wie die Späne beim Hobeln. Dass sie passieren ist keinesfalls eine Entschuldigung, aber sie bieten auch eine Chance. Die Chance ist, aus ihnen zu lernen. Leider funktioniert das noch nicht überall so wie in der Vorstellung des Qualitätsmanagements. Bisher herrscht in vielen Häusern noch eine „Schuldkultur“ in Bezug auf die Fehler. Das liegt vor allem daran, dass die Fehlerkommunikation nahezu noch nicht ausgeprägt ist. „Hat ja keiner mitbekommen, warum soll ich dies nun jemandem erzählen“, sagen sich wohl die meisten. Aber Fehler darf man nicht todschweigen, sondern hierbei ist Reden Gold. Aus unseren Fehlern können andere lernen und umgekehrt. Vielleicht lag der Fehler ja auch gar nicht an uns, sondern an anderen beeinflussenden Faktoren, die man durch Besprechen des Fehlers verändern und diesen in Zukunft verhindern kann?

Das Aktionsbündniss Patientensicherheit (APS) hat dazu einige Methoden zusammengestellt, um im Rahmen des Qualitätsmanagements die Patientensicherheit durch Fehlervermeidung zu gewährleisten. (Im Übrigen gibt es auf deren Internetseite viele interessante und sehr hilfreiche Beiträge.) Was kann ich aber als Student bzw. einzelne Person direkt im Falle eines Fehlers tun? Das wichtigste Werkzeug für uns ist die Kommunikation. Sie ist auf allen Ebenen (z.B. mit dem Patienten, Angehörige, im Team, gegenüber dem Vorgesetzten) relevant.

Was wir als Allererstes und am schnellsten tun können, ist Feedback zu geben oder selbst zu bekommen. Das ermöglicht der betroffenen Person im 4-Augen-Gespräch eine Rückmeldung zu geben. Dabei sollte man einige zentrale Regeln zum Feedback beachten:

  • Zeitnah
  • Feedback-Nehmer direkt ansprechen
  • Mit positiven Aspekten beginnen und möglichst enden
  • Feedback als Ich-Botschaft formulieren
  • Beschreibend, statt wertend
  • Konstruktiv
  • Nur Sachen ansprechen, die der andere auch verändern kann
  • Reihenfolge für konstruktives Feedback: Wahrnehmung > Wirkung > Wunsch

Mit so einer kleinen Rückmeldung kann man kleinere Fehler in Zukunft leicht vermeiden, die dem Betroffenen eventuell auch gar nicht selbst aufgefallen sind. Sollte uns selbst ein Fehler unterlaufen sein, ist es wichtig keine falsche Scheu zu haben und diesen direkt anzusprechen. Dies bietet dem Team die Möglichkeit eine konkrete Fehleranalyse beispielsweise mit Hilfe des „London Protocoll's“ durchzuführen. Dabei werden fehlerbegünstigende Faktoren gesucht, die zu dem Fehler geführt haben. Im nächsten Schritt wird ein Maßnahmenplan erstellt, in dem konkret verankert ist, wann was durch wen in die Tat umgesetzt wird. Die Fehleranalyse und was viel wichtiger ist, die Maßnahmen, die sich daraus ableiten, sind sehr komplex. Dennoch helfen sie, weitere Fehler zu vermeiden.

Was ich mit all dem eigentlich sagen möchte ist, dass Fehler keine Schande sind, dass sie jedem passieren können, wir aber richtig mit ihnen umgehen müssen. Der richtige Weg ist, den Fehler direkt anzusprechen, damit aus ihm gelernt werden kann. Denn zu schweigen ist schlimmer, als der eigentliche Fehler selbst.

Eure Romy

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