Pflegepraktikum auf der Neonatologie – ein Erfahrungsbericht

Auch wenn mein Pflegepraktikum schon eine ganze Weile her ist, möchte ich die Möglichkeit nutzen, meine Erfahrungen mich Euch zu teilen. Denn zwei Monate davon absolvierte ich auf einer nicht so ganz typischen Station… der Neonatologie, besser bekannt als "Frühchenstation".

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Photo courtesy of Elsevier / Colourbox

Wie habe ich mir mein Neonatologie-Pflegepraktikum aufgeteilt?

Anfang Juni bin ich mit der Schule fertig geworden und wusste, wenn ich bis zum Studienbeginn im Oktober nicht eine sinnvolle Beschäftigung finde, würde mir die Decke auf den Kopf fallen. Daher hatte ich beschlossen, bereits zwei Monate meines Praktikums vor dem Studium zu beginnen. (Dies stellte sich im Nachhinein als sehr vorteilhaft heraus, da die Motivation für ein Praktikum in den kurzen Wintersemesterferien stets sehr gering war.)

Ich musste mich nur noch für die passenden Abteilungen entscheiden. Mir war es wichtig, verschiedene Bereiche mit unterschiedlichsten Aufgaben kennenzulernen. Beim Überblicken der Stationen des nahegelegenen Uniklinikums ist mir die Neonatologie ins Auge gefallen. Das war definitiv etwas anderes, etwas herausforderndes. Ich war mir nicht sicher, ob das dort etwas für mich wäre, wollte es aber unbedingt probieren. So entschied ich mich zunächst einen Monat dort zu verbringen und dann den anderen Monat auf der Neurochirurgie zu absolvieren.

Die ersten Tage auf der Neugeborenenstation

Wie es auf einer Kinderstation üblich ist, musste ich erst einmal klingeln. Niemand wusste von mir und dennoch wurde ich freundlich aufgenommen. Zusammen mit einer Krankenpflegeschülerin, welche selbst an dem Tag neu begonnen hatte, wurde ich kurz herumgeführt. Wir bekamen beide eine Schwester zugeteilt, die uns zunächst in den ersten Tagen anlernen sollte. Und das war auch gut so, denn meine Scheu vor diesen kleinen Wesen war am Anfang sehr groß. Ich traute mich nicht eines auf den Arm zu nehmen, immerhin wogen die meisten nur 2000g. Zu schnell hätte ich etwas falsch machen können. Und dann kam der Moment, in dem ein Baby unaufhörlich schrie und niemand außer mir war da. Ich nahm es auf den Arm. Es war wie magischer Moment, in dem ich all meine bisherigen Ängste vergaß. Danach traute ich mir langsam mehr zu und war bereit eigenständig ein Baby zu betreuen. Das hieß, alle drei Stunden wickeln und füttern, Vitalparameter überwachen und zu Untersuchungen begleiten.

Ich merkte schnell, ein Baby zu waschen, war gar nicht so einfach. Besonders, wenn es noch so klein und zerbrechlich ist. Flexülen an Händen und Bodys zum über den Kopf ziehen wurden unsere größten Gegner.

Was habe ich alles während meines Pflegepraktikums auf der Neonatologie gelernt?

Vieles. Sehr vieles. Ich habe die typischen Neugeborenen-Krankheiten gesehen: Gastroschisis, Omphalozele, Mekoniumaspirationssyndrom und Mekoniumileus, Spina bifida, Hydrozephalus, Ikterus sowie Atemnotsyndrome. Außerdem gab es auf der Station einen Ordner, in dem die wichtigsten Krankheitsbilder verständlich erklärt wurden. Das war eine gute Möglichkeit sich in der freien Zeit eigenständig weiter zu bilden. Eigentlich war auch immer Zeit, auf Visite mitzugehen, in der zusätzlich Dinge erklärt wurden.

Ich durfte Magensonden legen, habe beobachtet wie man Babys rektal anspült, unzählige Hüft- sowie Kopf-Sonografien gesehen, war im Echo, EEG und Schlaflabor. Ich durfte zu Sectios mitgehen und habe gelernt, wie man eine Erstuntersuchung durchführt. Ich hatte die tolle Möglichkeit bei einer Shunt-Liquor-Punktion am Kopf zu assistieren. Ich konnte Hörtests durchführen und bei U-Untersuchungen zuschauen. Außerdem habe ich Eltern angeleitet, wie man mit solch kleinen Menschen umgeht, was gar nicht so leicht war, da ich das selbst vor kurzem erst gelernt hatte.

Es boten sich mir jedoch auch viele traurige Momente, an die ich am Abend zurückdachte. Oft war es nicht leicht zu sehen, wie sehr es Eltern schmerzte, zu sehen wie ihr Kind litt, während andere ihr Frühgeborenes nicht einmal besuchen kamen. Ich wurde in dieser Zeit des Öfteren an meine eigenen Grenzen gebracht.

Denke ich zurück, wird die Zeit jedoch von all den schönen Dingen überschattet. Denn ich konnte auch gemeinsam mit einer Mutter ihr Kind erstmalig ankleiden und das nach drei Monaten Krankenhausaufenthalt, ein überwältigender Moment für uns beide. Ich habe ein Baby in den Händen gehalten, welches gerade mal 700g wog. Ich war dabei, als die Drillingskinder aus ihren Inkubatoren kamen und zusammen in ein Bettchen gelegt wurden.

Und ich erinnere mich auch heute noch an jedes Baby, da ich im Vergleich zur normalen Station zu Jedem eine ganz besondere Nähe entwickelt habe und sie oft über mehrere Wochen hinweg betreute.

Was war anders im zweiten Monat?

Nachdem mir die Zeit dort so gut gefallen hatte, entschied ich mich dazu in den nächsten Semesterferien auch noch meinen letzten Teil des Pflegepraktikums auf der Neonatologie zu verbringen. Gänzlich anders war auch der Empfang am ersten Tag. Aufgrund der Unterbesetzung der Station, bekam ich sofort drei Babys zugewiesen, um die ich mich in meiner Schicht kümmern durfte. Ich fühlte mich zunächst wieder ins kalte Wasser geschmissen, doch nach einigen Stunden verschwand dieses Gefühl. Stattdessen kam Freude darüber auf, wie viel Vertrauen mir entgegengebracht wurde.

Im Allgemeinen durfte ich im zweiten Monat mehr selbst machen. Ich durfte eigenständig kleine Patienten betreuen, Kurve schreiben, Sondennahrung über dem Perfusor verabreichen und unter Aufsicht Medikamente stellen. Ich durfte mit den Ärzten sprechen, wenn mir etwas aufgefallen war und z.B. mit ihnen gemeinsam die Trinkmenge umstellen. Ich konnte mir meine Zeit freier einteilen und hatte so die Möglichkeit mit Babys zu kuscheln, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie ein wenig mehr Nähe brauchten.

Vor- und Nachteile eines Pflegepraktikums auf der Neonatologie

Vorteile:

  • Kein typisches Kaffeekochen und Essen austeilen
  • Viele unterschiedliche Krankheitsbilder
  • Eigenständiges Betreuen von Patienten
  • Viel unterschiedliche Diagnostik

Nachteile:

  • Lernen des Blut-Abnehmens ist nicht möglich

Fazit zu meinem Pflegepraktikum auf der Neonatologie

Es war eine sehr schöne und lehrreiche Zeit, sowohl menschlich als auch fachlich. Ich würde dort immer wieder mein Pflegepraktikum absolvieren und bin dankbar für die Erfahrungen, die ich machen durfte.

Wenn ich dich neugierig gemacht habe und du nun auch auf einer neonatologischen Station dein Pflegepraktikum absolvieren möchtest, solltest du dich vorher auf jeden Fall bei deinem zuständigen Landesprüfungsamt erkundigen, denn nicht überall wird diese auch anerkannt.

Eure Kristin


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