Ungewöhnliche Lernmethoden

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Wenn ich eins nicht kann, dann ist es am Schreibtisch sitzen und stumpf Lehrbücher lesen. Ich habe es versucht – wirklich! Also musste ich mir andere Möglichkeiten suchen die Flut an Informationen irgendwie abzuspeichern.

Zunächst zur Anatomie. Ich habe mir über die letzten vier Semester einiges an Modellen gekauft oder schenken lassen. Mein Favorit ist mein Skelett Hugo. Hugo hat Muskelansätze und einige bewegliche Gelenke. Zugegeben, Hugo war auch nicht ganz billig, aber es gibt viele Studenten aus höheren Semestern, welche ihre Skelette nach der Vorklinik wieder verkaufen. Gerade bei der Anatomie der Leitungsbahnen im Kopfbereich hat mir Hugo sehr geholfen. Die verschiedenen Durchtrittsstellen im Schädel sind zweidimensional nicht gerade einfach zu lernen und somit habe ich Hugo diverse Bindfäden durch seine Schädellücken gezogen und diese beschriftet. Inzwischen hat Hugo seinen Kopf aber wieder und ich kann euch leider kein Foto davon zeigen. Aktuell nutze ich weniger Hugo, als ein Modell vom Gehirn, da ich momentan in der Vorbereitung zum Neuroanatomietestat stecke. Da habe ich allerdings nicht ganz so viel von, da ich leider ein Modell ohne Ventrikelsysteme und Nuclei besitze. Alles in allem ist die Anatomie aber auch das Fach, welches meiner Meinung nach am einfachsten zu lernen ist. Es ist zwar viel Stoff, aber es ist irgendwie alles ganz logisch.

Deutlich schwieriger finde ich da die Biochemie. Aber auch hier habe ich mir ein paar Tricks überlegt oder von Freunden übernommen. Strukturformeln kann wohl wirklich nur ewig oft zeichnen um sie zu behalten, aber Blöcke zu füllen und dabei noch selber oben wieder abzugucken war irgendwie nicht so hilfreich. Ein Arbeitskollege, welcher das Physikum schon hinter sich hat, hat mir einen tollen Tipp gegeben. Kennt ihr noch die Zaubertafeln von früher? Die, auf die man als Kind mit einem Magnetstift immer wieder malen konnte und mit einem Zauberschieber alles wieder löschen konnte? Die sind absolut genial zum Biochemie lernen. Strukturformel aufmalen, wegwischen, wieder aufmalen. Ja, es sieht merkwürdig aus, wenn man mit einer knallbunten Zaubertafel durch die WG läuft, aber es funktioniert.

Einen weiteren Ratschlag, um auch die großen Zusammenhänge auswendig zu lernen, habe ich aus den Medilearnskripten. In dem Skript zum Citratzyklus stand in einer Fußnote, man könne sich die einzelnen Schritte aufmalen, ausschneiden und versuchen den Zyklus wieder zusammenzubasteln. Ich habe das noch etwas intensiviert und mir bunte Pappe gekauft. Jedes einzelne Substrat, jeder Name und jeder Pfeil ist jetzt auf Pappe und einzeln ausgeschnitten. Und das nicht nur vom Citratzyklus, sondern auch von Glykolyse, Harnstoffzyklus, Gluconeogenese, und vielen weiteren Stoffwechselwegen. Zuerst puzzle ich den Stoffwechselweg und dann male ich die Einzelschritte auf die Zaubertafel. Inzwischen kann ich die meisten tatsächlich auswendig, obwohl ich vorher wirklich Sorge hatte, wie ich das jemals in meinen Kopf kriegen könnte.

Neben diesen eher ungewöhnlichen Lernmethoden helfen mir auch die mittlerweile weit verbreiteten Eselsbrücken immer weiter. Besonders bei den Nerven klappt das ganz gut. Ein Beispiel ist “In Indien Gibt’s Kein Frisches Obst“ für die Nerven Iliohypogastricus, Ilioinguinalis, Genitofemoralis, Cutaneus femoralis lateralis, Femoralis, Obturatorius – die gehören nämlich alle zum Plexus Lumbalis. Diese Eselsbrücken gibt für fast alle Bereiche in allen Fächern und mittlerweile sogar als Bücher. Manche davon sind so doof, dass sie nie wieder aus dem Kopf verschwinden.

Letztendlich muss wohl jeder für sich entscheiden welche Lernmethoden die Richtigen sind. Ich kenne auch genug Kommilitonen, die wirklich stumpf mit dem Lehrbuch in der Bib sitzen. Das gilt übrigens auch für die Lehrbücher im Allgemeinen. Die Professoren schlagen häufig ihre persönlichen Lieblingswerke vor, häufig weil sie selbst Anteil an der Entstehung des Werks hatten, aber andere Lehrbücher können genauso gut sein. Nehmt euch die Zeit euch die Bücher anzusehen oder mal auszuleihen bevor ihr viel Geld für diese ausgebt. Und vor allem: Verfallt nicht in Panik, es ist alles irgendwie machbar.

Eure Pia

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