Nebenjobs – oder wie ich während des Medizinstudiums nicht verhungern muss

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Jeder kennt wahrscheinlich Aussagen wie: „Ich bin Student und kann mir das nicht leisten“, wenn andere Freunde fragen, ob man mit in den Mallorca-Urlaub fährt. Viele meiner Kommilitonen sind Bafög-berechtigt. Da gehöre ich jedoch nicht dazu. Auch wenn meine Eltern mich finanziell unterstützen wären viele zusätzliche Ausgaben so nicht gedeckt. Über die Semester bin ich, in den Worten meines Vaters, zum „Nebenjob-Profi“ geworden. In der Klausurenphase kann so ein Medizinstudium schonmal echt anstrengend sein, aber ansonsten bieten sich viele Möglichkeiten, sich das Studium und den ein oder anderen Urlaub zu finanzieren.

Bereits vor dem Studium habe ich meine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht. Diese Ausbildung dauert nur drei Monate und kann auch gesplittet über zwei Semesterferien absolviert werden. Seitdem arbeite ich als Aushilfskraft im Rettungsdienst. Wie die Medien immer wieder berichten, leidet auch der Rettungsdienst unter einem großem Fachkräftemangel und die verschiedenen Organisationen greifen gerne auf Aushilfen zurück. Der Job ist super flexibel. Wenn ich gerade Zeit habe, melde ich mich als verfügbar und kann dann Schichten als Fahrer im Rettungswagen übernehmen. Da ist es auch kein Problem, wenn man in der Klausurenphase mal keine Zeit zum Arbeiten hat. Mir persönlich gefallen besonders die Nachtschichten. Wenn wenig los ist, kann ich auf der Wache lernen oder etwas Schlaf nachholen. Mir macht die Arbeit im Rettungsdienst wirklich Spaß und ich kann diesen Nebenjob echt empfehlen. Da der Stress, der üblicherweise unangekündigt einschlägt, nicht für jeden etwas ist, gibt es jedoch auch viele andere Möglichkeiten.

Mein zweiter Nebenjob ist sogar noch flexibler und Medizinstudierenden vorbehalten. Es gibt einige Online-Lexika, welche medizinische Texte laienverständlich übersetzen und so die Menschen mit medizinischen Infos versorgen. Diese Texte werden häufig von Studierenden geschrieben, weil wir noch eine große Fächerbreite an Wissen haben und die deutsche Sprache noch nicht ganz so verloren haben, wie einige ältere Kollegen. Die Texte werden dann von Ärzten nochmal durchgelesen, damit auch fachlich keine Fehler enthalten sind. Das Schreiben für solche Seiten kann nebenbei gemacht werden und kann ebenfalls pausiert werden, wenn das Studium mehr Zeit beansprucht. Da ich mir die Fachbereiche selbst aussuche, lerne ich auch beim Schreiben und Recherchieren echt viel über interessante Bereiche in der Medizin und auch darüber wie ich diese Informationen den Patienten vermitteln kann.

Ein anderer Bereich, den ich allerdings noch nicht selbst ausprobiert habe, ist ein Nebenjob im OP. Fast alle Kliniken bieten Medizinstudierenden, überwiegend im klinischen Teil, die Möglichkeit mit Hakenhalten das Taschengeld aufzubessern. Meine Kommilitonen, die diesen Job machen, sagen, dass besonders für chirurgisch Interessierte, keine bessere Lernmöglichkeit existiert. Hierbei handelt es sich jedoch um einen echten Knochenjob. Während einer großen Bauch-OP stundenlang Leberhaken in einer Position halten, baut echt Muskeln auf, aber leider auch Rückenschmerzen. Wer später mal Chirurg werden möchte, sollte diesen Job aber durchaus in Betracht ziehen.

Die Kliniken bieten noch mehr Möglichkeiten etwas Geld nebenher zu verdienen. Auf vielen Stationen dürfen Medizinstudierende im klinischen Teil Nachtwachen machen und auch in der Pflege mithelfen. Nachts passen die Studierenden dann auf die Patienten auf und reagieren auf Klingeln. Tagsüber handelt es sich meist um Hilfsaufgaben, wie Betten beziehen und Essen bringen, um die Pflegekräfte zu entlasten.

Einige Hilfsorganisationen bieten zudem die Ausbildung zum Erste-Hilfe-Ausbilder an. Mit diesen Kursen kann man ebenfalls etwas Geld verdienen. Ich bin zwar Ausbilder, arbeite aber in diesem Fall rein ehrenamtlich für meinen Verein.

Und zu guter Letzt kann man in den meisten Unikliniken für seine Blutspende ebenfalls entlohnt werden, was tatsächlich auch einige Kommilitonen fest in ihr Budget einplanen. Und aus welchem Grund man auch immer Blut spendet, eine gute Tat ist es in jedem Fall.

Ihr seht also gerade als Medizinstudent muss man nicht auf den Malle-Urlaub verzichten, sondern man hat viele Möglichkeiten etwas Geld zu verdienen und dabei auch noch was zu lernen.

Eure Pia

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