Medizin studieren in Österreich: Der MedAT

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Während in Deutschland der Numerus Clausus den Zugang zu den medizinischen Fakultäten reguliert, kann man sich in Österreich per Aufnahmetest den Traum vom Medizinstudium an einer der vier heimischen medizinischen Universitäten erfüllen.

Einmal pro Jahr entscheidet sich Anfang Juli die Zukunft tausender Jugendlicher, die davon träumen, in Österreich Medizin zu studieren. So bewarben sich im Jahr 2016 zuletzt 15.129 Personen für einen der insgesamt 1.620 Studienplätze, die in Wien (740), Innsbruck (400), Graz (360) und Linz (120) jedes Jahr zur Verfügung stehen. Doch Achtung: 75 Prozent aller Medizin-Studienplätze sind für Bewerber mit österreichischer Matura reserviert. 20 Prozent werden schließlich an ehemalige Schüler aus anderen EU-Staaten vergeben, während die restlichen fünf Prozent hochschulreifen Drittstaatenangehörigen vorbehalten sind.

2017 wird der Aufnahmetest am Freitag, 7. Juli, stattfinden. Um dem ersehnten Studienplatz auch tatsächlich Schritt für Schritt näher zu kommen, gibt es bis dahin aber noch einige Hürden erfolgreich zu meistern

1. Die Online-Anmeldung

Zwischen dem 1. und 31. März 2017 steht das Online-Portal für den Medizin-Aufnahmetest (MedAT) an den Medizinischen Universitäten Wien, Graz, Innsbruck oder der Medizinischen Fakultät der JKU Linz offen. Wer sich für einen Testort entscheidet, legt somit auch gleich den Studienort, aber auch den Lebensmittelpunkt der nächsten Jahre fest. Unabhängig von der Bewerberzahl empfiehlt es sich, den Studienort den eigenen Interessen entsprechend zu wählen, um abseits der Hörsäle, Bibliotheken und Krankenhausabteilungen auch im Alltag möglichst glücklich zu werden. Außerdem muss man sich zu diesem Zeitpunkt bereits entscheiden, ob man Zahnmedizin oder Humanmedizin studieren möchte.

2. Überweisung der Kostenbeteiligung

Hat die Voranmeldung geklappt, sollte man nicht vergessen, noch im selben Zeitraum die Kostenbeteiligung von 110 Euro zu überweisen, um die Online-Anmeldung auch tatsächlich erfolgreich abzuschließen. Wer nicht fristgerecht bezahlt, kann keinesfalls am Test teilnehmen – und muss ein Jahr warten!

Die veranstaltenden Universitäten heben diesen Beitrag übrigens ein, um einerseits willkürliche Anmeldungen zu unterbinden und die Planbarkeit zu erhöhen. Andererseits werden damit die doch beträchtlichen administrativen Kosten der Testung abgedeckt – etwa das Anmieten von Prüfungsräumlichkeiten, Tischen und Stühlen oder der Ausdruck aller Testunterlagen (allein in Wien sind das in etwa 2,5 Tonnen Papier pro Jahr!).

3. Die Vorbereitung auf den Test: Lernen, üben, lernen, üben!

Im Vorfeld des MedAT ist es unbedingt ratsam, sich mit den Testinhalten auseinanderzusetzen und die erforderlichen kognitiven Fähigkeiten zu trainieren. Der Aufnahmetest Humanmedizin (MedAT-H)* besteht aus vier Testteilen, die allesamt im Multiple-Choice-Format abgeprüft werden:

a) Basiskenntnistest für Medizinische Studiengänge (BMS)
Hierbei wird konkretes Wissen in den für das Medizinstudium relevanten Grundlagenfächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik abgefragt.

b) Textverständnis
Dieser Testteil überprüft die Lesekompetenz und das Verständnis von wissenschaftlichen Texten.

c) Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten
5 Aufgabengruppen decken jene kognitiven Basisfähigkeiten ab, die wissenschaftlichen Studien zufolge den erfolgreichen Abschluss des Diplomstudiums der Humanmedizin besonders begünstigen sollen. Im Detail werden folgende Fertigkeiten getestet:

  • Zahlenfolgen erkennen und fortsetzen
  • Gedächtnis & Merkfähigkeit: Allergieausweise lernen und zeitlich getrennt reproduzieren
  • Räumliches Vorstellungsvermögen: Figuren zusammensetzen
  • Wortflüssigkeit: Buchstabensalat
  • Erkennen von Implikationen (logische Schlussfolgerungen ziehen)

d) Sozial-emotionale Kompetenz

Dieser zum Teil sehr umstrittene Untertest besteht 2017 erstmals aus zwei Aufgabengruppen, die sozial-emotionale Kompetenzen erfassen sollen: Soziales Entscheiden (SE) misst die Eigenschaft, Entscheidungen in Alltagssituationen sozial zu beurteilen und dementsprechend zu reihen. Emotionen Erkennen (EE) überprüft die Fähigkeit zur Empathie: Anhand von Beschreibungen gilt es, die emotionale Situation fiktiver Personen in einer gegebenen Situation zu erkennen.

*Der Test für angehende ZahnmedizinerInnen (MedAT-Z) unterscheidet sich in einigen Punkten. Alle Infos dazu findet ihr hier.

Zur Testvorbereitung stellt die MedUni Graz stellvertretend für die Medizinischen Universitäten Wien, Graz, Innsbruck und die Medizinische Fakultät der JKU Linz exemplarische Prüfungsfragen und Unterlagen für die Testvorbereitung online im so genannten Virtuellen Medizinischen Campus (VMC) zur Verfügung. Die Registrierung ist kostenlos.

5. Der Tag der Entscheidung!

Der MedAT findet zur gleichen Zeit in Wien, Graz, Innsbruck und Linz statt und beginnt offiziell um 8 Uhr morgens. Erlaubt sind keinerlei Hilfsmittel, nur analoge Uhren und die stärkende Verpflegung dürfen die TeilnehmerInnen zum zugewiesenen Arbeitsplatz begleiten. Schreibmaterial wird zur Verfügung gestellt. Da beim Einlass akribisch nach verbotenen Gegenständen inklusive Metalldetektor und Body Scan kontrolliert wird, verschiebt sich der eigentliche Testbeginn letztendlich aber erheblich. Die Testung dauert schließlich (inklusive einer Pause gegen Mittag) einige Stunden.

6. Ergebnisbekanntgabe und Inskription

Anfang August werden die Ergebnisse bekanntgegeben. All jene, die sich gegen über 90 Prozent ihrer MitstreiterInnen durchsetzen konnten, müssen jetzt nur noch zur Inskription, um ihren Medizin-Studienplatz offiziell anzunehmen. Wer dies versäumt, verliert seinen Studienplatz, und jemand anderer rückt in der Reihung nach.

Alle wichtigen Termine auf einen Blick:

1.3.2017 – 31.03.2017: Anmeldung für den MedAT an online .
1.3.2017 – 31.03.2017: Überweisung der Anmeldegebühr.
Ab Anfang April (persönliche Empfehlung): Vorbereitungsphase.
7.7.2017: Teilnahme am MedAT.
Anfang August 2017: Inskription für den Medizin-Studienplatz.

Ich behaupte: Für all jene, die wirklich und wohl überlegt Medizin studieren möchten, ist der MedAT in jedem Fall zu schaffen. Letztendlich ist er jedoch nur der erste Schritt in ein forderndes, lernintensives, aber auch unendlich spannendes Studium, das viele Höhen und Tiefen bereithält. Am Ende winkt schließlich ein Traumberuf, für den es sich unbedingt zu kämpfen lohnt.

Ich wünsche Euch alles Gute!

Euer Martin

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