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Vier-Tage-Woche in der Pflege

19. Februar 2024

Fachkräftemangel, Probleme bei der Patientenversorgung, Stress, Burn-Out, etc. Wie soll zu diesen, leider noch immer aktuellen, Schwierigkeiten in der Pflege jetzt plötzlich eine Vier-Tage-Woche passen? Indem man es einfach mal testet! Das dachte sich zumindest das Klinikum Bielefeld und startete im Juli 2023 ein Pilotprojekt, das Modellcharakter für die gesamte Pflege im Haus haben soll. Der stellvertretende Direktor für Pflege- und Klinisches Prozessmanagement Timo Jost sowie die Pflegedienstleitung Henrik van Gellekom haben Aufbau, Ziele, Umsetzung erste Erfahrungswerte einmal zusammengefasst und informieren über dieses mutige Vorhaben.

von Sarah Micucci

Die Idee

Warum soll es nicht auch für die Pflege gelten? Die Idee einer Vier-Tage-Woche hat mittlerweile in vielen Branchen Fuß gefasst. Work-Life-Balance wird größer geschrieben als je zuvor. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden mehr Freizeit und Familienzeit einem höheren Gehalt vorziehen. Nicht wenige haben diesen Vorsatz bereits umgesetzt. Mit Sicherheit ein Gedanke, der auch unter Pflegefachpersonen nicht ausschließlich auf Ablehnung stoßen würde. Aber wie soll das gehen? Da muss die Pflege mal wieder in den sauren Apfel beißen und die Stellung wahren. Oder vielleicht auch nicht? Für das Klinikum Bielefeld war dieses Thema derart prägnant, dass sie ein Pilotprojekt daraus machten. Unzufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Reduzierungen der Stellenanteile, da sonst ein Familienleben nicht mehr zu gewährleisten ist und viele weitere Punkte gaben dem Versuch einer Vier-Tage-Woche letztlich eine Chance.

Aufbau und Ziel des Projekts

Das Projekt gilt nur für Vollzeit-Pflegefachpersonen und wurde auf der Inneren Medizin sowie der Chirurgischen Station umgesetzt. Ziel dieses Vorhabens ist eine Verbesserung der pflegerischen Versorgung von Patientinnen und Patienten. Dabei bestimmen zwei Ansatzpunkte für verbesserte Arbeitsbedingungen in der Pflege den Ablauf: Erstens will sich das Klinikum für eine bessere Work-Life -Balance der Pflegenden einsetzen. Und zweitens soll die qualitative Versorgung der zu pflegenden Menschen gesteigert werden.

Bezüglich der Work-Life-Balance, sieht das Pilotprojekt vor, dass die Dienstzeiten erhöht werden, und zwar auf 9 Stunden pro Schicht. Dabei bleibt aber die wöchentliche tarifliche (TVöD) Vollarbeitszeit von 38,5 Stunden erhalten. Die Schichten sind wie folgt aufgeteilt: Frühdienst 6.00–15.30 Uhr, Spätdienst 13.00–22.30 Uhr und Nachtdienst 21.30–7.00 Uhr. Es ist ersichtlich, dass durch die neuen Arbeitszeiten Überlappungszeiten der Schichten entstehen. Und genau diese stellen einen wichtigen Punkt dar, denn hierdurch entstehen doppelte Personalstärken. In diesen Zeitfenstern bietet es sich an, besonders personalintensive Pflegetätigkeiten einzuplanen, wie z. B. schwierige Positionierungen, aufwendige Körperpflege oder das Anleiten von Pflegeauszubildenden.

Für eine bessere Work-Life-Balance soll die Tatsache sorgen, dass sich mit diesem Modell in 14 Tagen acht Dienste ergeben, anstatt der üblichen elf. Im Monatsdienstplan bedeutet das für den Einzelnen, dass jedes zweite Wochenende wie gewohnt frei und jedes erste Wochenende Dienst ist. Hiervon ausgehend gestaltet sich der weitere Dienstplan (Beispiel: Freitag, Samstag, Sonntag, Montag: Dienst; Dienstag, Mittwoch: Frei; Donnerstag, Freitag: Dienst; Samstag, Sonntag, Montag: Frei) Eine solche Festlegung der Arbeitstage bedeutet für die Pflegenden eine erhebliche Veränderung in Bezug auf ihre Lebensgestaltung.

Vorteile und Herausforderungen

Das Klinikum Bielefeld erhofft sich in erster Linie, wie schon erwähnt, eine Verbesserung des Arbeitsablaufs sowie der Patientenversorgung. Dies steht und fällt natürlich unter anderem mit dem Personalschlüssel. Durch die Verdopplung der freien Tage wird erhofft, dass Teilzeitkräfte ihre Arbeitszeit erhöhen. Das Klinikum geht davon aus, dass Gründe für eine Reduzierung auf 50–75 % mitunter an der Betreuung von Kindern oder pflegenden Angehörigen liegen. Da aber die Betreuung an Arbeitstage meist eh geregelt ist, wäre hier keine große Umstellung und die zusätzlichen freien Tage, würden neue Perspektiven in der Freizeitplanung bieten. So wären für viele Pflegefachpersonen höhere Verdienstmöglichkeiten gewährleistet und dennoch die Aufgaben fern dem Arbeitsplatz besser zu managen.

Die längeren Arbeitszeiten wiederum könnten für eine Entzerrung des Arbeitsstresses sorgen.

Allerdings ist eine Umstellung auf einen 9-Stunden-Dienst nicht zu unterschätzen. Hier sollte eine Anpassungszeit eingeplant werden.

Erste Ergebnisse

Nach den ersten drei Monaten zeigte sich tatsächlich bereits eine Zunahme der pflegerischen Versorgungsqualität. Die doppelte Personalstärke in den überlappenden Schichtzeiten brachte große Entlastung mit sich und die Zeit konnte genutzt werden, um aufwendige Vorhaben zu planen und umzusetzen. Auch eine verbesserte Dokumentation ist durch das Plus an Zeit festzuhalten sowie ein pünktliches beenden der Schicht.

Was die Entwicklung einer verbesserten Work-Life-Balance angeht, so sind die Mitarbeitenden geteilter Meinung. Tatsächlich ist ein Teil der Ansicht, dass die erhöhte Anstrengung durch die 9-Stunden-Schicht nicht durch die freien Tage aufgehoben werden kann. Es bestünde eine Mehrbelastung, mit der einige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer große Probleme haben. Positive Rückmeldungen kommen insbesondere durch jüngere Pflegefachpersonen, die die neu gewonnene Freizeit sehr zu schätzen wissen.

Fazit

Das Klinikum Bielefeld äußert sich dahingehend, dass dieses Pilotprojekt ein wesentlicher Schritt in Richtung einer besseren Patientenversorgung und Arbeitsplatzgestaltung ist – ein klarer Modellcharakter für die gesamte Pflege des Klinikums. Es kristallisieren sich viele Vorteile heraus. Denen gegenüber stehen jedoch eine aufwendigere Planung sowie die Mehrbelastung durch einen längeren Arbeitstag.

Quelle:

https://www.springermedizin.de/im-test-vier-tage-woche-fuer-pflegekraefte/26582164Wird in neuem Tab/Fenster geöffnet

Sarah Micucci Gesundheits- und Krankenpflegerin Pflegepädagogin (B.A.) Autorin / Redakteurin für Pflegefachliteratur