Medizin studieren in Oldenburg – Mein Fazit nach 6 Jahren

Hallo, oder wie man hier im Norden eher sagt „Moin“! Ich bin Diana und studiere Medizin an der Universität Oldenburg. Dies ist noch nicht allzu lange möglich, denn die Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften wurde erst 2012 neu gegründet. Ich habe das Studium hier 2013 mit insgesamt 45 weiteren Medizinstudenten und -studentinnen begonnen, war also im zweiten Jahrgang, der sich auf das Abenteuer „neu aufgebauter Studiengang“ eingelassen hat. Dadurch, dass wir nur so eine kleine Gruppe waren, von denen im Laufe der ersten Studienjahre auch noch etwa die Hälfte das Studium abgebrochen haben, kannte man seine Kommilitonen alle mit Namen, auch die Dozenten kannten uns alle ziemlich schnell, wodurch die Vorlesungen eher an Schulunterricht erinnerten. Ziemlich interaktiv, was mir persönlich gut gefallen hat.

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Meine Entscheidung für die Uni Oldenburg

Die Entscheidung, in Oldenburg Medizin zu studieren, war mir damals direkt nach dem Abitur nicht besonders schwer gefallen – erstens wollte ich nicht in einer Großstadt leben, Oldenburg liegt recht nahe an meiner Heimatstadt, also war die Entfernung zu meiner Familie nicht so groß, und – was für mich am wichtigsten schien – das „Physikum“ wurde nicht wie in Regelstudiengängen nach 2 Jahren in Form einer „großen“ Prüfung geschrieben, sondern aufgeteilt auf viele kleine Modulprüfungen. Diese fanden alle 5 Wochen statt und umfassten 40 (Zwischenprüfung) bzw. 80 Multiple-Choice-Fragen (Abschlussprüfung). Jeweils die Hälfte der Fragen waren als „Open book-Fragen konzipiert, das bedeutet, dass man zur Beantwortung Bücher verwenden darf, die zur Prüfung mitgebracht werden müssen. Dieses Konzept gefiel mir echt gut, denn es ist ja auch später im Beruf realistisch, bei bestimmten Fragen in Büchern nachzulesen, die Schwierigkeit lag hierbei darin, zu wissen, in welchem Buch man in welchem Kapitel nachschauen muss. Dies erforderte, dass man sich vor der Prüfung sehr ausgiebig mit den Büchern beschäftigen musste, wobei man natürlich auch ziemlich viel unbewusst gelernt hat.

Partnerschaft der Uni Oldenburg und der Uni Groningen

Wenn ich ganz korrekt sein will, muss ich unseren Studiengang als „European Medical School Oldenburg-Groningen“ bezeichnen, da es eine Partnerschaft mit der Medizinischen Universität Groningen gibt. Deshalb konnten wir unsere Anatomie-Praktika dort absolvieren, was ganz gut war, da es in Oldenburg noch keine Möglichkeit gibt, die Anatomie an Leichen zu erlernen. In Groningen ist es allerdings nicht üblich, dass Studierende selbst in Präp-Kursen Leichen präparieren, sondern an bereits vorpräparierten Leichen lernen. Ich hatte glücklicherweise die Möglichkeit, im Rahmen eines Wahlfachangebots mit 6 Kommilitonen selbst eine Leiche zu präparieren, was sicherlich eine wertvolle Erfahrung ist, da man die Anatomie einfach viel besser lernen kann, wenn man selbst präpariert.

Starker Praxisbezug

Eine weitere Besonderheit des Oldenburger Modellstudiengangs ist die Praxisorientiertheit – schon nach 5 Wochen Studium hatten wir die erste Hospitation in einer allgemeinmedizinischen Praxis für eine Woche. Das fand ich klasse, da ich schon hier die Möglichkeit hatte, unter Aufsicht und Anleitung von den durch die Uni geschulten Lehrärzte „eigene“ Patienten zu untersuchen. Diese Praktika gab es während der ersten drei Studienjahre etwa alle 5 Wochen und wir hatten auch die Möglichkeit, in verschiedene Fachbereiche zu schnuppern. Das war für mich ziemlich motivierend, da mir so immer wieder bewusst wurde, weshalb ich das Studium gewählt habe – nämlich, um Patienten zu behandeln und Kontakt mit Menschen zu haben. Das konnte man zwischenzeitlich bei der ganzen Physik, Chemie, Biochemie, Histologie, etc. durchaus mal vergessen… Die Praktika im vorklinischen Abschnitt setzten natürlich voraus, dass wir auch schon entsprechende Vorlesungen und Untersuchungskurse hatten, wodurch Klinik und Vorklinik mehr als in Regelstudiengängen durchmischt werden.

Pflicht-Auslandssemester an der Uni Groningen

Im Rahmen der Kooperation mit der Uni Groningen ist es vorgesehen, dass jede/r Student*in ein Jahr dort im Sinne eines Auslandssemesters verbringt. Das ist auf jeden Fall auch eine spannende Erfahrung, allerdings fand ich es nicht so gut, dass der Auslandsaufenthalt zwingend war und dass es keine Möglichkeit gab, stattdessen in ein anderes Land zu gehen. Niederländisch lernen musste ich zum Glück nicht, da die Vorlesungen und Prüfungen im dritten Studienjahr, das ich in Groningen absolviert habe, noch alle auf Englisch sind.

Physikum bzw. „Physikums-Äquivalent“

Nach drei Jahren hat man dann nach Bestehen aller Modulprüfungen und aller praktischen Prüfungen (den sogenannten „Karussellprüfungen“: diese umfassten mehrere Stationen, in denen praktische Fertigkeiten wie Untersuchungen, Anamneseerhebung, etc. geprüft wurden) das „Physikums-Äquivalent“ bekommen. Anschließend folgte der klinische Abschnitt. Dieser ist hier so aufgebaut, dass man natürlich viel mehr Praktika zum Erlernen von Untersuchungsmethoden, Kommunikationstechniken und Therapiekonzepten hatte. Mündlich-praktische und schriftliche Prüfungen gab es natürlich weiterhin. Im 5. Studienjahr ging es dann an die Famulaturen, hier bei uns als „Blockpraktika“ bezeichnet. Diese werden während des Semesters in den drei Universitätskliniken des „Medizinischen Campus Universität Oldenburg“ absolviert, dafür fallen allerdings während des gesamten Studiums die Wintersemesterferien weg. Vor jedem Blockpraktikum gab es einen fünfwöchigen Vorbereitungsblock im Klinischen Trainingszentrum, wo uns dann alles für das anstehende Praktikum Wichtige in Form von Seminaren, Untersuchungskursen und Fallkonferenzen beigebracht wurde. Für die Praktika selbst gab es wieder Logbücher, die ziemlich ausführlich alles beinhalten, was während des Praktikums erlernt werden sollte, darüber hinaus aber auch ziemlich viele Aufgaben in Form von Berichten und kleinen Prüfungen. Aber eigentlich war es echt hilfreich, einen Leitfaden für die Praktika zu haben. Am Ende des 5. Jahres stand auch für uns das „Hammerexamen“ an – dafür mussten wir allerdings nach Hannover fahren, da in Oldenburg aufgrund der geringen Anzahl an Studierenden keine Prüfung abgehalten wurde.

Wissenschaftliches Arbeiten an der Uni Oldenburg

Für alle die, die am wissenschaftlichen Arbeiten interessiert sind, ist es sicher noch spannend, dass man in Oldenburg eine kleine und eine große Forschungsarbeit verfassen muss. Diese entsprechen in etwa einer Bachelor- bzw. Masterarbeit und sind sicher hilfreich in Vorbereitung auf die Doktorarbeit, da man sich für diese Arbeiten schon ziemlich intensiv mit dem wissenschaftlichen Arbeiten auseinandersetzen muss.

PJ an der Uni Oldenburg

Nun bin ich im Praktischen Jahr und das läuft an der Uni Oldenburg ab, wie an jeder anderen Uni auch. Die Pflichttertiale Innere Medizin und Chirurgie habe ich schon hinter mir, als Wahlfach habe ich mich für Allgemeinmedizin entschieden.

Fazit

Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, in Oldenburg Medizin zu studieren – mal abgesehen von dem tollen, praxisorientierten Aufbau des Studienganges ist Oldenburg nämlich auch einfach eine ganz tolle Stadt zum Leben und ich würde mich definitiv wieder so entscheiden!

Eure Diana

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