Berufseinstieg in der Uniklinik oder kleineres Krankenhaus: Vor- und Nachteile

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Chirurgie, Anästhesie, Pädiatrie? Bei vielen wechselt der Facharztwunsch während des Studiums und auch des PJs.  Irgendwann hat sich bei den meisten dann aber doch das Wunschfach herauskristallisiert oder man hat zumindest entschieden, mit welchem Fach man seinen Start in das Berufsleben beginnen möchte. Dann stellt sich aber immer noch die Frage: Soll ich mich lieber an einem kleinen Krankenhaus bewerben oder an der Uniklinik?

Allgemein lässt sich diese Frage nicht beantworten. Beides hat Vor- und Nachteile. Ich habe mein erstes Berufsjahr an einem (verglichen mit einer Uniklinik) kleineren Krankenhaus mit Maximalversorgung verbracht, bin dann in eine Uniklinik gewechselt und kann rückblickend beidem etwas abgewinnen.

Nach dem Studium hatte ich zunächst das Bedürfnis, erst einmal Abstand von der Uni zu bekommen. Zwar kannte ich in der Uniklinik schon das Haus, die Organisationsstrukturen, einige Assistenz- und Oberärzte, allerdings konnte ich mir gar nicht vorstellen, mich schon so früh in eine stark spezialisierte Fachabteilung zu begeben. Schließlich wollte ich erst einmal einen guten Überblick über mein damaliges Wunschfach innere Medizin erhalten und mich nicht primär mit Kolibri-Erkrankungen auseinandersetzen. Letztendlich bin ich mit der damaligen Entscheidung auch zufrieden. Ich habe in einem kleineren Krankenhaus schnell die Kollegen aus meiner und auch aus den anderen Fachabteilungen kennengelernt. Dadurch konnte ich fachübergreifende Fragen mit einem kurzen Besuch auf der Nachbarstation oder einem Telefonat klären. Da die Abteilung insgesamt kleiner ist, habe ich allerdings auch viel früher Dienste absolviert als später in der Uniklinik. Mein ehemaliges Krankenhaus hat alle großen internistischen Fächer abgedeckt, sodass die Ausbildung sehr gut und umfassend war. Ich hatte nicht das Gefühl, gegenüber einer Ausbildung an der Uniklinik schlechter gestellt zu sein.

Als ich später über einen Fachwechsel in die Neuroradiologie/Radiologie nachgedacht habe, kam dann doch der Wunsch nach einer Ausbildung an der Uniklinik auf. Während der Tumorkonferenzen hat mich die Arbeit der Radiologen sehr neugierig gemacht, weil sie mit allen Fachrichtungen zusammen gearbeitet haben und oft noch gute fachübergreifende differentialdiagnostische Ideen hatten. Um diese Aufgabe gut erfüllen zu können, braucht man aber einen sehr breiten Überblick. Auch seltene Erkrankungen muss man häufiger gesehen haben, um sie sicher diagnostizieren zu können. In der Uniklinik ist selbst die Radiologische Klinik in verschiedene Abteilungen aufgeteilt (bei uns Allgemeine Radiologie, Interventionelle Radiologie, Angiographie, Kinderradiologie, Muskel-/Skelettradiologie, Brustdiagnostik, Hybridbildgebung und Neuroradiologie). Dadurch sind die Oberärzte in den einzelnen Bereichen sehr gut spezialisiert, was sich auch in der Facharztausbildung widerspiegelt. Zunächst habe ich zwar deutlich länger gebraucht, um alle meine Kollegen kennenzulernen und lerne auch jetzt in den Diensten immer wieder neue Kollegen aus den anderen Abteilungen kennen. Anfangs hat mich die doppelte Arbeitsbelastung mit klinischer Tätigkeit, Forschung und Lehre sehr gefordert. Mittlerweile investiere ich zwar immer noch einen Teil meiner Freizeit in Forschung und Lehre, allerdings habe ich mich daran gewöhnt und es macht mir Spaß.

Zusammenfassend verbinde ich mit einem Einstieg in einem kleineren Krankenhaus daher einen familiäreren Einstieg mit schnellerem Überblick über das Fach und relativ frühem Diensteinstieg, den Einstieg in der Uniklinik hingegen mit einem zwar späteren Diensteinstieg dafür aber die Herausforderung durch Forschung/Klinik/Lehre und vielen seltenen Erkrankungen.

Eure Ricarda

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