Vorbereitung auf das mündlich-praktische Staatsexamen

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„Der Geist ist kein Schiff, das man belädt, sondern ein Feuer, das man entfacht“

Plutarch, griechischer Historiker

1. Das Warten auf das vierte Prüfungsfach, die Namen der Prüfer...

Während des letzten Tertials des Praktischen Jahres (PJ) wurde die Anspannung größer, welches vierte Prüfungsfach ich erhalten würde. Mit Neurologie als zugeloster Disziplin war ich zufrieden, da ich mir diesen Bereich ebenfalls als Wahltertial hätte vorstellen können und mich letztlich aber aufgrund der Interdisziplinarität und persönlicher Präferenz für die Radiologie als drittes Fach entschieden hatte. Von den Prüfern kannte ich persönlich nur den Vorsitzenden, die drei anderen kamen von externen Häusern bzw. kannte ich aus dem bisherigen Studium nicht.

2. ... und auf den Prüfungstermin

Essenziell für die zeitliche Gestaltung bis zu der M3-Prüfung war selbstverständlich auch das Datum derselben, da sich an unserer Universität der mögliche Zeitraum dafür über zwei Monate erstreckt. Ich erwischte per Auslosung den zweitmöglichsten Termin, sodass ich gleich am Wochenende nach dem PJ-Ende mit dem Lernen loslegte und mir etwa zwei lernfreie Wochenenden und zusätzlich zwei, drei Reservetage einplante. So bleiben etwa 38 Lerntage bis zum Tag X. Dabei machte ich Gebrauch aller 20 Urlaubstage des letzten Tertials. Ansonsten hätten nur zwei Wochen zur Vorbereitung zur Verfügung gestanden, was doch definitiv sehr knapp erscheint für ein Staatsexamen in Medizin.

Auch während des PJs empfiehlt es sich, schon für die vorbekannten drei Fächer zu lernen, ein paar Dinge nachzulesen sowie aufmerksam, engagiert und tatkräftig alle zugeteilten Stationen zu absolvieren. Auch so nimmt man sehr viel aus dem PJ mit, was idealerweise auch in der Prüfung (und natürlich in der ärztlichen Tätigkeit danach!) abrufbar sein kann.

3. Vorstellung bei den Prüfern

Nachdem wir unsere Prüfungskonstellation erfahren hatten, suchten wir den Mail-Kontakt zu ihnen und stellten uns bei allen vor, auch wenn in unserem Fall dafür sehr weite Anfahrtswege anfielen - die zehn Stunden (!) Autofahrt für ein etwa viertelstündiges Gespräch haben in unserem Fall immerhin auch sehr viel zum Teambuilding beigetragen.

Im besten Fall werden Themenbereiche eingegrenzt, so auch bei uns geschehen, und man erhält einen ersten Eindruck, was häufig eine beruhigende Konnotation haben kann.

4. Lernplan erstellen – ja oder nein?

Im Gespräch mit Kommilitonen, die bereits die M3-Prüfung absolviert hatten, gab es zu dem Thema Lernplan unterschiedliche Vorgehensweisen. Manche rechneten für jedes Fach exakt eine Woche ein, wiederum andere planten für jeden einzelnen Lerntag pedantisch die zu erarbeitende Themenauswahl. Dies erschien mir zu zeitintensiv aufgrund der doch relativ geringen Vorbereitungszeit. So erstellte ich eine Liste für alle Fächer mit sämtlichen Aspekten, die ich durcharbeiten wollte, und ging diese nacheinander durch. Am Ende blieb noch eine gute Woche zum Wiederholen aller Themen, bei dem ich Kurzvorträge und das Untersuchen übte, um das mündliche Formulieren in der Prüfungssituation zu simulieren.

5. Womit lernt es sich am besten?

Der Idealzustand des Studierens lässt sich wohl am besten mit jenem dem Text vorangestellten Zitat Plutarchs beschreiben, welches jedoch bei ehrlicher Betrachtung aufgrund des großen Lernpensums aller Studienabschnitte in den meisten Fällen nicht vollumfänglich erreichbar ist. Das „Sich-Verlieren“ und intensive Einlesen über Stunden in ein klinisches Thema oder in einen Fall kann man sich nicht ohne Weiteres während der straffen und begrenzten Vorbereitungszeit auf die M3-Prüfung erlauben.

Daher habe ich in einem bunten Mix mit punktueller Schwerpunktsetzung basierend auf den Prüfungsvorgesprächen mit dem MEX Innere/Chirurgie, MEX Neurologie, In Frage und Antwort-Büchern und Amboss gelernt. Auch die Heidelberger Standarduntersuchung samt Untersuchungsvideos wurde ein treuer Begleiter.

Als allererstes jedoch habe ich die Prüfungsprotokolle akribisch durchgearbeitet und mir selbst anhand derer „In Frage-und-Antwort“-Dokumente zu den vier Fächern erstellt. Letztlich bietet es sich an, vor dem etwaigen Kauf der Bücher (ich finde buntes Markieren und Beschriften unerlässlich) in der Bibliothek einen Blick in die infrage kommenden Werke zu werfen.

6. Nur noch zwei Wochen!

In dieser Zeit beschlich mich das ungute Gefühl, mich auf der aus der Vorklinik bekannten „U-Kurve“ gerade eher in den basalen Gefilden nahe des Koordinatenursprunges zu befinden, da ich kaum aufgeregt war: Das „Yerkes-Dodson-Gesetz“ beschreibt den Zusammenhang zwischen der physiologischen Aktivierung und (kognitiver) Leistungsfähigkeit als umgekehrt U-förmigen Zusammenhang. Immerhin hielt ich mich weiterhin an die alte Weisheit „Viel hilft viel“ getreu dem Ausspruch einer Kommilitonin „Hauptsache, man lernt“.

Das Schöne allerdings am Vorbereiten auf die mündlich-praktische Prüfung ist das Üben der Untersuchungen an Freunden, Verwandten oder Kommilitonen. Dies stellte eine willkommene Abwechslung von der langwierigen Schreibtischtätigkeit dar.

Auch die Treffen mit Mitprüflingen halfen immens bei der Vorbereitung. Hierbei empfiehlt es sich, sich mit der eigenen Prüfungsgruppe vorzubereiten, damit untereinander die gleichen Themen gelernt und gegenseitig abgefragt werden können. Falls beispielsweise durch die Vorstellung bei den Prüfern schon Themen eingegrenzt wurden, kann man sich in der eigenen Prüfungsgruppe sehr viel zielorientierter abfragen.

Auch wenn man während des Studiums mit anderen oder sogar meist allein gelernt hat, halte ich das gemeinsame Durchsprechen und Halten von Kurzvorträgen für eine unabdingbare Methode für eine effektive M3-Vorbereitung.

7. Der letzte Tag vor M3

Am Tag vor der Prüfung wiederholte ich noch ein paar Dinge am Vormittag und setzte zur Mittagszeit einen Schlussstrich. Dann waren nur noch ein ausgedehnter Spaziergang und Regeneration Fokus meiner geistigen Aktivität.

Dabei ist grundsätzlich ein wichtiger Tipp von mir: Hört auf zu lernen, wenn ihr merkt, dass „in euren Kopf nichts mehr hineinpasst“ – diesen Zustand erreichen viele Studierende während der Lernzeit, und es ist ratsam, dann definitiv für den Tag mit dem Lernen aufzuhören.

Als kleine Anekdote sei hinzuzufügen: Eine längere sitzende Haltung kann laut aktueller Studienresultate mit atrophischen Veränderungen im Gehirn einhergehen, sodass auch hier zur aktiven Bewegung zu raten ist (Siddarth P, Burggren AC, Eyre HA, Small GW, Merrill DA (2018) Sedentary behavior associated with reduced medial temporal lobe thickness in middle-aged and older adults. PLoS ONE 13(4): e0195549. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0195549).

8. Die Prüfung selbst...

Am Morgen wurde ich dann doch ziemlich aufgeregt. Nach Zuteilung der Patienten verlief der Vormittag sehr stressig, da wir für Anamnese, körperliche Untersuchung, Aktenstudium und Verfassen der vollständigen handschriftlichen Epikrise nur von 8 Uhr bis 12 Uhr Zeit hatten. Am Nachmittag fand die Prüfung am Patientenbett statt, die sehr fair ablief. Jede von uns stellte den zugeteilten Patienten ausführlich vor und demonstrierte körperliche Untersuchungsvorgänge der Disziplinen Innere, Chirurgie und (in unserem Fall) Neurologie. Dabei wurden Fragen gestellt, die von basalen Kenntnissen zu Spezialwissen immer mehr in die Tiefe gingen. Zu Hause angekommen, wollte ich eigentlich noch ein paar Dinge zu den Vordiagnosen meines Patienten recherchieren. Da ich jedoch ziemlich erschöpft war von der Prüfung selbst, habe ich darauf verzichtet.

9. ... war gar nicht so schlimm!

Nach Abgabe des Briefes am ersten Tag war der stressigste Teil geschafft; und die Zeit am Patientenbett sowie die Fragerunde am nächsten Tag waren deutlich entspannter. Jeder Prüfer erhielt etwa zehn bis 15 Minuten Zeit, um uns zu befragen. Meistens wurde ein Fall geschildert (Patient X kommt mit folgenden Symptomen in die Notaufnahme oder zum Allgemeinmediziner... wie gehen Sie vor?). Anschließend gingen die Fragen wie am Vortag immer weiter in die Tiefe.

Wenn man bei einer Frage nicht prompt eine Antwort weiß, kann es sehr hilfreich sein, anstelle von unangenehmem Schweigen den Prüfer zu bitten, die Frage erneut mittels anderer Formulierung zu stellen. So bleibt Zeit, in der Tiefe seiner Gyri und Sulci nach sinnvollen Antwortmöglichkeiten zu kramen, um nicht „Nichts“ zusagen. Allerdings sollte man bei kompletter Ahnungslosigkeit lieber ehrlich sein anstatt hilflose Vermutungen anzustellen. Manchmal geben die Prüfer Denkanstöße; aber auch wenn man mal ein, zwei Dinge nicht weiß, wird dies keinen massiven Punktabzug geben.

10. Fazit

Folglich also an alle, die die M3-Prüfung noch vor sich haben: Macht euch nicht verrückt vor der Prüfung und geht euren ganz eigenen Weg bei der Vorbereitung - auf eure letzte Hürde im Rahmen des Medizinstudiums, bis es heißt: Endlich Arzt/Ärztin!

Eure Jenny-Lou

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