Die erste Famulatur in der Notaufnahme – eine gute Idee?

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Notfallmedizin?

Nach dem ersten klinischen Semester?

Ich hatte doch noch nicht einmal das Fach „Innere Medizin“...

Meine erste Famulatur habe ich in der interdisziplinären Notaufnahme in einem evangelischen Krankenhaus absolviert.

Zu diesem Zeitpunkt, nach dem ersten Semester im Anschluss an das Physikum, hatte ich an klinischen Studieninhalten im Wesentlichen lediglich das Modul der „Ärztlichen Basisfähigkeiten“ in der Allgemeinmedizin und ein paar Grundlagen anderer Fächer durchlaufen. So war die Wahl der zentralen Notaufnahme ein „Sprung ins kalte Wasser“ – und kristallisierte sich glücklicherweise jedoch schnell als ein Glückstreffer:

Ich wurde von zwei Assistenzärztinnen und einem PJler betreut, die sich selbst in der teilweise doch sehr intensiven Hektik der ZNA genug Zeit für Erklärungen und Nachuntersuchungen nahmen. Zudem stand der Oberarzt für Nachfragen zur Verfügung und erklärte ausführlich beim Demonstrieren einer echokardiographischen Untersuchung und bei praktischen Basisfähigkeiten.

Ich absolvierte drei Wochen in der internistischen und eine Woche in der unfallchirurgischen Hälfte der Notaufnahme.

Der Arbeitsalltag der Internisten begann mit der Frühbesprechung und der Röntgendemonstration, bei der die Aufnahmen der letzten (Nacht-)Schicht besprochen und demonstriert wurden.

Danach verteilten sich alle teilnehmenden Ärzte auf ihre Stationen bzw. Abteilungen und ich durfte von Anfang an ausführliche Anamnesen und vollständige körperliche internistische Untersuchungen machen. Im Anschluss stellte ich meine Patienten dem diensthabenden Arzt vor und im Zusammenschau weiterer Befunde und der Laborergebnisse erstellten wir unsere Arbeitsdiagnose und leiteten erste Therapien ein.

Führend waren – als ich dort famulierte – Elektrolytentgleisungen, Magen-Darm-Beschwerden mitsamt symptomatisch gewordener M. Crohn-Manifestationen und hypertensive Entgleisungen.  Auch am Legen von Venenverweilzugängen durfte ich mich üben. Da es meine erste Famulatur und somit mein erster „richtiger“ Einsatz nach den Pflegepraktika war, hatte ich einen großen Lernzuwachs und war sehr dankbar für die Tipps der erfahrenen PJler und natürlich der Ärzte.

Ganz besonders stolz war ich, als ich meinen ersten echten Arztbrief schreiben durfte und – selbstverständlich unter Supervision – „meine“ Patientin nach erfolgter Blutdrucksenkung nach Hause schicken durfte.

Auf der unfallchirurgischen Seite durfte ich im Saal der ambulanten Operationen zum ersten Mal an einem Unterschenkel (eine Weber-C-Fraktur) subkutan nähen. Dies hatten wir erst kürzlich am Schweinefuß im Kursus der „Ärztlichen Basisfähigkeiten und Fertigkeiten“ erlernt – eine sehr interessante Praxiserfahrung!

Leider hatte ich zu jenem Zeitpunkt noch keine orthopädischen Vorlesungen gehabt, sodass ich den unfallchirurgischen Ärzten bei der Aufnahme der Patienten eher zuschaute oder lediglich nachuntersuchte als selber praktisch tätig zu werden. Das Besprechen der Röntgenbilder, die Erläuterung der Befunde zwecks OP-Planung und auch das Legen von Venenzugängen allerdings waren auch hier sehr lehrreich.

Ich kann also jedem, der seine Famulaturen noch vor sich hat, nur wärmstens empfehlen, eine davon in der zentralen Notaufnahme zu absolvieren. Man lernt unheimlich viele verschiedene Krankheitsbilder kennen und darf selber viel mit anpacken.

Auch, wenn man initial kurz nach dem Physikum etwas Scheu hat vor der möglicherweise einschüchternden Präsenz der Notaufnahmen in großen und auch Kliniken, lohnt sich der Einblick und der erste Schritt in die Realität der Notfallversorgung in jedem Fall!

... die Eingangsfrage lässt sich meiner Erfahrung also definitiv mit einem deutlichen „Ja!“ beantworten.

Eure Jenny-Lou

P.S.: Ein wichtiger organisatorischer Tipp noch zum Schluss: Da die zentralen Notaufnahmen im PJ auch sehr begehrt sind und dort zusätzlich inzwischen zahlreiche Famulanten unterwegs sind, bietet sich ein frühzeitiges Anfragen (etwa sechs Monate vorher!)  bei den infrage kommenden Kliniken an. Aus Erzählungen anderer Medizinstudierender hört man inzwischen von Kapazitätsproblemen zur Unterbringung lernwilliger Praktikanten, jedenfalls in den Universitäts- und Großstädten.

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