Famulaturen – wann und wo?

Im Medizinstudium sind vier Famulaturen Pflicht, eine davon mittlerweile in der Allgemeinmedizin. Sobald das Physikum geschafft ist, sollte man sich mithilfe von Semesterheften höherer Jahrgänge einen Überblick über die freien Zeiten verschaffen, denn diese sind knapper bemessen als man glaubt. Kurz vor dem zweiten Staatsexamen möchte niemand gern noch drei Famulaturen machen müssen, denn diese Zeit ist kostbare Vorbereitungszeit. Du musst auch nicht alle Famulaturen auf einmal bewältigen, sondern kannst diese fest planen. Das solltest du auch, da die Plätze auf einer Station für Famulanten begrenzt sind und man sich frühzeitig um einen Platz im Wunschzeitraum bemühen sollte. Welche Tipps und Tricks es sonst noch gibt, erfährst du in diesem Artikel.

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Photo from vault.elsevier.com

Unterschiedliche Aufwandsentschädigung einplanen

Für die Allgemeinmedizin kann es sich lohnen, in ein anderes Bundesland zu Verwandten oder Freunden zu gehen, da diese je nach Bundesland unterschiedlich von der Kassenärztlichen Vereinigung vergütet wird. In Brandenburg gibt es beispielsweise für 4 Wochen 250 Euro und in unterversorgten Regionen noch einmal 100 Euro extra. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 250 Euro und in Rheinland-Pfalz sogar bis zu 500 Euro. Bei den anderen Famulaturen ist es vom Krankenhaus abhängig, ob ihr für die Famulatur beispielsweise eine Aufwandsentschädigung bekommt.

Welche Einrichtungen und wie lange?

Informiere dich zuvor im Studiendekanat beziehungsweise im Semesterheft, wo Famulaturen möglich sind beziehungsweise welche anerkannt werden. Manche Fachbereiche gelten als ambulant, manche als krankenhäuslich.

Das ist wichtig, weil du:

  • 2 Monate in einem Krankenhaus oder einer stationären Rehabilitationseinrichtung
  • 1 Monat in einer Einrichtung der ambulanten Krankenversorgung, die ärztlich geleitet wird, oder in einer geeigneten ärztlichen Praxis
  • 1 Monat in einer Einrichtung der hausärztlichen Versorgung

ableisten musst.

Besonders berücksichtigen solltest du außerdem, dass Privatpraxen nicht anerkannt werden. Eine Famulatur beträgt 30 Kalendertage und du darfst zweimal splitten – also die Famulatur in 2 x 15 Tage aufteilen bei Bedarf. Eine Famulatur im Ausland kann anerkannt werden, jedoch benötigst du zur Anerkennung ein mindestens englischsprachiges Zeugnis mit einer Beschreibung deiner Tätigkeiten und die Anschrift der Einrichtung muss korrekt sein. Eine hausärztliche Famulatur im Ausland ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.

Wonach wähle ich meine Famulaturen aus?

Was hat dich schon immer interessiert? Wenn du bereits jetzt eine Wunschrichtung hast, solltest du in dem Bereich eine Famulatur machen. Es ist der beste Weg, um auszutesten, ob der Bereich deinen Vorstellungen entspricht oder deine Meinung sich sogar komplett ändert. Wichtig ist, dass du ein gewisses Interesse für die Fachrichtung aufbringen kannst. Natürlich kann es trotzdem vorkommen, dass eine Famulatur nicht gut läuft – zum Beispiel, weil wenig Pflegepersonal vorhanden ist, Kollegen erkrankt sind oder die Station generell unterbesetzt ist und es viel zu tun gibt. Aber auch dieser "Stress" ist eine Erfahrung wert. Und selbst wenn du ein Fach noch gar nicht hattest, du kannst trotzdem auf der entsprechenden Station eine Famulatur machen, um es erst einmal ganz vorurteilsfrei kennenzulernen!

Wo hast du Famulaturen gemacht?

Ich habe meine Famulaturen in Allgemeinmedizin, Anästhesiologie / Schmerzmedizin (ambulant), Dermatologie (Krankenhaus) und Pathologie (Krankenhaus) absolviert. Besonders die Pathologie empfand ich als äußerst lehrreich, weil Berührungspunkte mit Verstorbenen sonst abgesehen von der Rechtsmedizin wenig vorhanden sind. Die Anwesenheit bei Obduktionen fällt nicht jedem leicht, noch weniger, wenn man selbst tätig werden kann und muss. Man wird in diesem Bereich aber sehr viel über Todesursachen, Krankheitsverläufe und Therapien lernen, weil häufig Kliniker zu einem Gespräch anwesend sind. Außerdem gehört die histologische Untersuchung eingeschickter Präparate zur Aufgabe des Pathologen und man kann seinen Kenntnisstand dahingehend erweitern. Wer sich jedoch bereits im Präparierkurs sehr überwinden musste, sollte nicht unbedingt die Pathologie wählen.

Was ist noch wichtig?

Lernt, auch einmal "Nein" zu sagen. Als StudentIn traut man sich oft nicht, denn man steht am unteren Ende der Nahrungskette. Wenn ihr etwas lernen wollt, müsst ihr euch manchmal aber auch durchsetzen. Das kann zu Konflikten führen, welche entweder gelöst werden oder euch auch einmal nachhängen können – das muss man dann aushalten können. So etwas kann beispielsweise passieren, wenn ihr um Blutentnahmen auf Station gebeten werdet, aber eigentlich an der Chefarztvisite teilnehmen wollt. Ihr könnt die Blutentnahmen vielleicht auch später durchführen – klärt so etwas aber am Besten noch vor dem Start der Visite! Nichts ist peinlicher als ein Streit mit der Pflege vor versammelter Mannschaft.

Was kann oder sollte ich während der Famulatur lernen?

  • Kommunikation mit Patienten, Pflegepersonal und Ärzten
  • Dokumentation in Patientenakten digital und analog
  • Gegebenenfalls intern übliche Kodierung von Krankheitsbildern
  • Blutentnahmen, das Legen von Flexülen
  • Patientenaufnahmen, Anamnesen, Entlassungen, OP-Aufklärungen unter Aufsicht
  • Gezielte körperliche Untersuchungen (ggf. mit Ultraschall, oder z.B. Koloskopie)
  • Arztbriefe schreiben
  • Bei chirurgischen Famulaturen sind Hautnähte manchmal möglich

Eure Nadine

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