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Älter werden in der Pflege

26. April 2023

Die Basis eines langen und gesunden Berufslebens für Pflegefachpersonen

Wer sich für einen Beruf entschieden hat, geht in den meisten Fällen nicht automatisch davon aus, dass dieser nur eine begrenzte Zeit lang ausgeübt werden kann. In der Pflege ist ein Berufswechsel in fortgeschrittenem Alter jedoch leider keine Seltenheit. Personalschlüssel, Schichtdienst körperliche Anstrengung, hohe Erwartungen, kurzfristige Dienstplanung – Gründe für einen Ausstieg gibt es viele und nicht selten übertrumpfen diese die positiven Aspekte im Arbeitsalltag einer Pflegefachperson. Doch das muss nicht zwangsläufig der Fall sein. Pflegeteams sollten auch weiterhin von der Expertise erfahrener Pflegender profitieren und somit ein breites Altersspektrum auf jeder Station und in jedem Pflegedienst gegeben sein. Wie dies in der Praxis am besten umgesetzt werden kann, damit hat sich die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) einmal genauer auseinandergesetzt.

von Sarah Micucci

Wie haben die Älteren es geschafft, trotz der Rahmenbedingungen so weit zu kommen?

Mit dieser Frage haben sich die Pflegewissenschaftlerin und Pflegepädagogin Michaela Sorber und der Referent für Gesundheitspädagogik Björn Teigelake auseinandergesetzt. In dem BGW-Forschungsprojekt „Ein Leben lang in der Pflege“ haben sie hierzu Interviews und Gruppendiskussionen mit Pflegefachpersonen und Hilfskräften geführt, welche 50 Jahre und älter waren. Bei den Ergebnissen sollte der Fokus nicht auf den Problematiken liegen, sondern vielmehr die Ressourcen in den Vordergrund stellen, die zu einer langen Karriere in der Pflege befähigen. Wie kann also die mentale Kraft und Berufserfahrung über die Abnahme körperlicher und geistiger Belastungen siegen?

Hierzu wurden neun Bausteine herausgearbeitet, die die Basis für ein langes und gesundes Leben in der Pflege sein könnten:

1. Gute Rahmenbedingungen

Die Befragten äußerten sich zu diesem Themenbereich relativ eindeutig. So wurden unter guten Rahmenbedingungen vor allem zuverlässige Dienstgeber:innen genannt, ein regelmäßiges Einkommen und offene Ansprechpartner:innen bei Problemen jeglicher Art. Auch ausreichend Zeit für die Patient:innen spielt eine große Rolle, sowie ein guter organisatorischer Aufbau. Hierunter zu verstehen sind unter anderem Angebote für Fort- und Weiterbildungen und Mitgestaltungsmöglichkeiten. Auch die Ausstattung und die Räumlichkeiten für eine gute pflegerische Versorgung wurden benannt.

2. Alter und Erfahrung nutzen

Wer schon lange in der Pflege arbeitet, hat mitunter eine andere Perspektive auf aktuelle Situationen. Berufs- und Lebenserfahrung sollten daher im Arbeitsalltag nicht untergehen, sondern für anstehende Herausforderungen genutzt werden.

3. Berufsmotivation

„Warum wollte ich eigentlich damals in die Pflege?“ Mit dieser Frage haben viele der Befragten den Bogen zu ihrer jetzigen Situation gezogen. Ein langes positives Berufsleben ist demnach eng verknüpft mit der richtigen Motivation jeden Tag in diesem Berufsfeld tätig zu sein. Was gibt einem der Beruf? Was ist motivierend und welche Ziele werden verfolgt? Wichtige Fragen, die nicht auf der Strecke bleiben dürfen, will man das Personal in der Pflege halten.

4. Pflege schätzen

Wer lange und zufrieden in der Pflege arbeiten will, sollte keinen Grund dazu haben, die positiven Aspekte des Berufes aus den Augen zu verlieren. Die Befragten nannten hierbei unter anderem: Austausch mit verschiedenen Menschen, Bewegung und stetig geistige Aktivität.

5. Sich (weiter)entwickeln

Entwicklungsmöglichkeiten sind enorm wichtig, um lange in einem Beruf zu bleiben. Das Bestreben neue Wege zu entdecken, Karrieremöglichkeiten zu nutzen und den passenden Arbeitsbereich zu finden, nennen viele Pflegende als wesentliche Motivation in ihrem Arbeitsalltag. Die Bereitschaft zur Veränderung stellt eine wichtige Ressource dar.

6. Was man selbst mitbringt

Nicht nur die Rahmenbedingungen, sondern auch die persönlichen Voraussetzungen tragen zu einem langen Berufsleben bei. So zum Beispiel die Offenheit gegenüber Neuem, eine positive Grundeinstellung und die Fähigkeit zu einem strukturierten Arbeiten.

7. Wertschätzung und Anerkennung

Hier geht es vor allem um die Anerkennung des Arbeitgebers, welche sich unter anderem durch eine offene Kommunikation zeigt: Können Probleme angesprochen werden? Können Belastungen thematisiert werden? Welche Wünsche und Ziele haben die Mitarbeiter:innen?

Ebenso zeigte sich, dass Ansehen und gesellschaftliche Wertschätzung eine Rolle spielen und erwünscht sind.

8. Fürsorge und Selbstfürsorge

Für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und nicht nur Fürsorge sondern auch Selbstfürsorge in den Mittelpunkt zu stellen, das können die wenigsten sofort. Ein Gespür für die eigenen Grenzen zu entwickeln und nicht alles „mit nach Hause“ zu nehmen, ist mit Sicherheit nicht leicht, führt aber ebenfalls dazu, lange und zufrieden pflegen zu können.

9. Ein gutes Team

Nicht zuletzt äußern viele Pflegefachpersonen, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit im Team ist. Sich aufeinander verlassen zu können, gegenseitig Wissenslücken füllen oder gemeinsam körperliche Anstrengungen meistern – das ist es, was insbesondere ältere Mitarbeiter:innen zu schätzen wissen und als wesentliche Ressource nennen.

Letztlich lässt sich zusammenfassen, dass das Forschungsprojekt durch die Befragungen einige elementare Punkte erfassen konnte, die eine Basis für ein Leben in der Pflege darstellen. Diese stehen und fallen meist mit den Rahmenbedingungen. Fühlen sich Pflegefachpersonen in ihrer Tätigkeit wertgeschätzt und ernstgenommen, haben sie ein gewissen Mitspracherecht und die Möglichkeit Problematiken anzusprechen, so ist schon viel geschafft und ein Maß an Motivation mit Sicherheit auch bis zur Rente bei so einigen gesichert.

Mehr zu der Studie ist einsehbar im BGW Magazin 01/23.

Sarah Micucci Gesundheits- und Krankenpflegerin Pflegepädagogin (B.A.) Autorin / Redakteurin für Pflegefachliteratur