Servus Österreich

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Im Rahmen meines PJs habe ich den Österreichern für 2 Monaten einen kleinen Besuch abgestattet. Im November und Dezember letzten Jahres ging es für die zweite Hälfte des Chirurgie-Tertials nach Zell am See. Der kleine Ort, den die meisten von euch wahrscheinlich nur aus Skiurlauben kennen, besitzt ein Krankenhaus, welches die Patienten aus der Region, dem Pinzgau, medizinisch versorgt.

Circa 1 Jahr vor Beginn des PJs habe ich mir überlegt, dass ich mein PJ nicht ausschließlich an einem Ort machen möchte, sondern noch einmal etwas anderes sehen möchte. Da ich die Berge liebe, sowohl begeisterte Wanderin als auch Skifahrerin bin, stand für mich schnell fest: ich möchte in die Alpen und am liebsten nach Österreich. Nachdem ich dann Bewerbungen an einige Kliniken geschickt habe, hieß es erst einmal auf Antworten zu warten. Nicht lange dauerte es bis die ersten Zusagen, unter anderem auch die für die Tauernklinik in Zell am See, eintrafen. Aufgrund der guten Resonanz und der tollen Lage direkt am See entschied ich mich letzten Endes für die Tauernklinik.

Anfang November war es dann endlich soweit und ich startete meinen 8-wöchigen Aufenthalt in Zell am See. Als ich ankam überwältigte mich das Berg- und Seepanorama und ich fühlte mich schnell wohl. Für die Zeit in Zell am See wurde mir ein Zimmer im direkt neben dem Krankenhaus gelegenen Schwesternwohnheim zur Verfügung gestellt, natürlich gegen Miete. Das Zimmer verfügte über ein eigenes Bad mit Dusche, Bett und Tisch mit Stühlen. Für die begrenzte Zeit war es also ausreichend ausgestattet.

Am ersten Arbeitstag lernte ich direkt den circa 1-minütigen Weg zur Arbeit lieben. Bei der Frühbesprechung habe ich dann das ganze Team der Allgemeinchirurgie kennengelernt und bin gut aufgenommen worden. Für die erste Arbeitswoche wurde ich dann zunächst auf Station eingeteilt, um die generellen Arbeitsabläufe einmal mitzubekommen. Auf Station angekommen war ich direkt von der Ausstattung des Krankenhauses begeistert. Man wurde nicht, wie ich es sonst aus Krankenhäusern kannte, von Papierakten erschlagen, sondern überall auf Station waren fahrbare PC-Terminals zu finden. Hierüber konnte man auf die elektronische Patientenakte des Patienten zugreifen. In dieser Akte war auch wirklich alles zu finden: Pflegeberichte der Schwestern, Diagnosen, aktuelle Medikationen, Fotodokumentationen aus invasiven Eingriffen, Röntgenbilder etc. Dadurch, dass man auf alle Informationen des Patienten schnell zugreifen konnte, sparte man sich enorm viel Zeit. Auch Anordnungen verliefen viel komplikationsloser als mit Papierakten, da die Pflege sich nicht mit dem Schreibstil der Ärzte auseinandersetzen musste.

Die Stationsarbeit an sich lief genauso ab, wie ich sie schon kannte: Blut abnehmen, Visite, Verbandswechsel, Neuaufnahmen und dann Entlassungen durchführen. Einen kleinen Unterschied gab es jedoch dennoch. Dank des von mir schon angepriesenen tollen PC-Systems wurde das allseits unbeliebte „Briefe-Schreiben“ zu einer doch halbwegs angenehmen Angelegenheit. Mit wenigen Klicks wurden die Arzt-Briefe mit einer Art Drag&Drop angefertigt, wo man dann nur noch kleine Ergänzungen dazu schreiben musste. Durch diese Zeitersparnis blieb natürlich mehr Zeit für Patientengespräche und die Durchführung von Untersuchungen, was ich persönlich sehr gut fand.

Nach meiner Zeit auf der Station, wurde ich in die Ambulanz eingeteilt. In der Ambulanz habe ich viele unterschiedliche Erkrankungen gesehen, durfte viel eigenständig machen und bei kleinen chirurgischen Eingriffen auch assistieren. Das Patientengespräch stellte sich jedoch oftmals als gar nicht so leicht dar, denn der Dialekt der Pinzgauer ist selbst für uns Deutsche manchmal kaum zu verstehen. Gott sei Dank waren die meisten Patienten so nett und haben sich dann bemüht Hochdeutsch zu sprechen, wenn ich mit ihnen gesprochen habe.

Das Krankenhaus selbst hatte neben der Chirurgie auch noch viele weitere Abteilungen, die man in so einem kleinen Ort wie Zell am See gar nicht erwartet hätte. So verfügt das Krankenhaus noch über eine Neurologie, eine HNO, eine Augenklinik und eine Dialysestation.

Neben der Arbeit habe ich meine Freizeit hauptsächlich im Freien verbracht. Jede freie Minute wurde zum Skifahren, Wandern oder Klettern genutzt und es war wirklich toll direkt neben einem Skigebiet zu wohnen. In der Zeit, in der ich in Zell am See war, waren mit mir noch 6 weitere deutsche PJler da, mit denen ich Sport und meine Freizeit genießen konnte. Wir alle haben im gleichen Haus gewohnt, so dass man schnell zu einer guten Gemeinschaft zusammengewachsen ist und nach dem Dienst auch immer noch etwas zusammen unternommen wurde. Alles in allem kann ich das PJ-Tertial in Zell am See jedem empfehlen, der die Berge liebt und gleichzeitig an einem sehr modernen Krankenhaus im Ausland arbeiten möchte, ohne zwingend eine andere Sprache beherrschen zu müssen.

Eure Sabrina

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