PJ-Tertial in Italien

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Das Krankenhaus der 100.000-Einwohner-Stadt Udine stellt mit seinen 700 Betten den Löwenanteil der akuten regionalen gesundheitlichen Versorgung sicher und verkörpert eine Struktur der Maximalversorgung. Das gesamte Spektrum an Fachrichtungen der inneren Medizin wie auch Chirurgie wird hier abgedeckt. Im Rahmen meines Aufenthaltes rotierte ich zwischen den verschiedenen Abteilungen der inneren Medizin: Medicina Interna (Patienten mit komplexen Krankheitsbildern sowie Komorbiditäten), Cardiologia, Pneumologia, Pronto Soccorso (Notaufnahme).

Was den genauen Inhalt meines PJ-Tertials angeht – sprich was ich während der 16 Wochen im Krankenhaus alles machen durfte: Blut abnehmen (venös aber auch arteriell), Braunülen legen, ab und an beim Sonographieren zuschauen. Außerdem war ich Zuschauer bei interventionellem Ultraschall wie bspw. im Rahmen einer Probeentnahme von der Leber mittels Punktion oder auch beim Punktieren des Pleuraspaltes um Flüssigkeit abzulassen. Körperliche Untersuchungen in der Ambulanz gehörten ebenfalls zum täglich Brot.

Wie auch in den meisten deutschen Häusern korreliert das Ausmaß dessen, was man praktisch machen darf, direkt mit dem persönlichen Engagement und der Bereitschaft Dinge einzufordern. Das Beherrschen der italienischen Sprache, mindestens auf B2-Niveau, stellt im Grunde ein obligates Kriterium dar. Man tut sich einfach selbst einen Gefallen, da die Fremdsprachenkenntnisse der meisten Italiener doch überschaubar sind. „Warum eine zweite oder dritte Sprache im zeit- und nervenaufreibenden Studium erlernen, wenn man die schönste Zunge der Welt bereits von Kindesbeinen an beigebracht bekommt.“ So denken zumindest die meisten Bewohner des Stiefellandes.

Der Italiener spricht bekanntlich gerne. Schnell. Und viel. Das ist im Zusammenhang mit seinen Gebrechen und Leiden nicht anders: Krankheitsgeschichten wurden geradeheraus offengelegt und körperliche Untersuchungen anstandslos geduldet. Ein gehäuftes Vorkommen des stereotypischen „Morbus Mediterraneus“ (Ausdruck für einen sehr wehleidigen Patienten) konnte ich nicht beobachten.

Um interessierten Medizinstudenten einen wichtigen Ratschlag im Hinblick aufs Ableisten eines PJ-Tertials in Italien mitzugeben: Das Studium im Land, wo die Zitronen blühen, ist im Vergleich zu dem in Deutschland um einiges akademischer ausgelegt. Praktische Erfahrungen sammelt man für gewöhnlich erst als Assistenzarzt. Kommuniziere daher gegenüber den Ärzten in angemessener Form, dass du um diese Tatsache weißt, aber trotzdem gerne praktisch tätig werden würdest, dass dies in Deutschland Gang & Gebe ist und du dir das vor allem auch zutraust und du nichts tust, was deine Kompetenzen übersteigt. Denn du planst ja kein PJ-Tertial an einem italienischen Krankenhaus, um bei Visite nur mitzulaufen und bei Arzt-Patienten-Gesprächen zu Lauschen. Dafür ist der Aufwand zu groß und der Gewinn an praktischen Erfahrungswerten mit Sicherheit zu begrenzt. In den ersten Wochen meines Praktikums sowie im Gespräch mit den Medizinstudenten Udines kristallisierte sich ziemlich schnell heraus, dass diese Gepflogenheit (die Ärzte von morgen vor allem theoretisch auszubilden) auch Anwendung fand: Die praktischen Erfahrungen beschränken sich wirklich auf ein Minimum und werden in anwendbarer Form erst mit Beginn der Assistenzarztzeit – und somit nach dem Studium – vermittelt.

Für mich persönlich war u.a. dadurch relativ schnell klar, dass ich nicht in Italien arbeiten werde. Vor allem das Gehalt von ca. 1.500 Euro netto hat mich abgeschreckt. In Deutschland werde ich diesen Sommer mit ca. 2.500 netto einsteigen (und da sind die Dienste noch nicht reingerechnet). Zudem denke ich, dass die Ausbildung während der Weiterbildung zum Facharzt in Deutschland strukturierter und besser ist. In Italien betreut ein Assistenzarzt einen oder maximal zwei Patienten. So geschehen zumindest auf der Innere-Station, welche ich den Großteil meines Tertials besucht habe. Man wird unglaublich langsam an eigenverantwortliches Arbeiten herangeführt und macht dementsprechend auch nur peu à peu Fortschritte.

Natürlich gibt es nicht das italienische Krankenhaus oder den italienischen Chefarzt. Ich beziehe mich in meinen Ausführungen lediglich auf das, was ich in meinen 16 Wochen vor Ort in Udine erlebt habe. Doch mit den Italienischen Assistenzärzten würde ich nur ungern tauschen wollen.

Euer Fabio

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