PJ auf dem Land

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Nachdem ich in diesem Frühjahr mein zweites Staatsexamen hinter mich gebracht habe, ging auch für mich der Ernst des Lebens los. Das Praktische Jahr stand vor der Tür. Mein erstes Tertial habe ich allerdings nicht (wie die meisten anderen Kommilitonen) im Krankenhaus, sondern in einer niedergelassenen Praxis verbracht. In einer Hausarztpraxis mitten im Siebengebirge um genau zu sein. Ich interessiere mich schon seit Längerem für die Allgemeinmedizin und aus diesem Grund habe ich mein Wahltertial auch in diesem Fachbereich absolvieren wollen. Anders als bei dem normalen PJ-Vergabeverfahren muss man sich in der Allgemeinmedizin direkt bei den Praxen um einen PJ-Platz bewerben. Dies habe ich circa ein Jahr vor PJ-Beginn gemacht und habe mich, nachdem ich mir ein paar Praxen angeguckt habe, für eine entschieden, die zusätzlich zur normalen Hausarztmedizin auch viel Osteopathie, Chirotherapie, Akupunktur und Sportmedizin macht.

Nach Pfingsten ging das PJ dann los und ich wurde von dem ganzen Praxisteam sehr lieb aufgenommen. Insgesamt vier Ärzte, davon zwei Weiterbildungsassistenten und sieben medizinische Fachangestellte, davon zwei in Ausbildung, arbeiteten in der Praxis. In den ersten Tagen war ich die meiste Zeit bei einem der Chefs mit im Sprechzimmer, um den Ablauf der Sprechstunde und die Aufgaben des Hausarztes erst einmal richtig kennen zu lernen. Nach jedem Patienten haben wir den Fall noch einmal durchgesprochen, überlegt was man noch hätte machen können oder wie das weitere Procedere nun ausschaut. Durch diese 1-zu-1-Betreuung habe ich schon gleich in der ersten Woche viel neues Wissen mit nach Hause nehmen können und viele praktische Tipps bekommen. Angenehm war auch, dass es nicht schlimm war, wenn ich mal etwas Falsches gesagt habe oder etwas einfach nicht wusste. Jeder der Ärzte hat sich die Zeit für mich genommen, was in einer stets gut besuchten Praxis sicher die Ausnahme statt der Regel ist.

Schon in meiner zweiten Arbeitswoche durfte ich bei Patienten die Anamnese und die Untersuchung komplett alleine durchführen. Nachdem ich dann damit fertig war, habe ich den Patientenfall immer mit einem der Ärzte durchgesprochen. Gemeinsam haben wir dann Diagnosen gestellt und die Therapie besprochen, so dass ich das Diagnosen stellen üben konnte. Bis dahin war es im Studium oft so gewesen, dass man die Patienten befragt und untersucht hat, dies dem Arzt vorgestellt und dieser dann den Patienten weiter versorgt hat. Schnell habe ich dabei auch bemerkt, dass es ein großer Schritt ist, sich auf eine Diagnose festzulegen und dann auch die dementsprechende Therapie einzuleiten.

Neben der normalen Sprechstunde gab es auch eine Laborsprechstunde, die ich selbstständig unter Rücksprache mit meinen Chefs führen durfte. Hierbei habe ich die Patienten angerufen, um mit diesen die Laborwerte der Blutabnahme vom Tag zuvor besprochen. Bei vielen Patienten ging es um standardmäßige Laborkontrollen zum Beispiel im Rahmen von Check-Up-Untersuchungen oder DMP-Programmen, die oftmals keine weitere Konsequenz nach sich zogen. Dennoch gab es immer wieder Fälle bei denen man den Patienten, aufgrund von Laborergebnissen und tags zuvor geschilderten Symptomen, wieder in die Praxis einbestellen musste.

Zwischen der Vormittags- und Nachmittagssprechstunde wurden Hausbesuche gemacht. Oftmals war ich auch hier mit dabei und habe so die Patienten auch in ihrem häuslichen Umfeld einmal kennengelernt. Das Schöne an den Hausbesuchen in so einer ländlichen Gegend ist, dass auf dem Land jeder jeden kennt und die Fahrten über die Felder auch viel schöner sind, als wenn man mit dem Auto durch eine Großstadt fahren müsste.

Neben der Anamnese und körperlichen Untersuchung von Patienten durfte ich auch weiterführende Diagnostik bei Patienten durchführen. Sowohl Lungenfunktionsuntersuchungen und Ergometrien, als auch Ultraschalluntersuchungen durfte ich nach ausführlicher Einweisung durchführen. Insbesondere bei den Ultraschalluntersuchungen habe ich gemerkt, dass Übung wirklich hilft. Zu Anfang habe ich für das Auffinden der einzelnen Schnittbilder sehr lange gebraucht und es war schwer manche Strukturen richtig darzustellen, aber mit der Zeit habe ich mich viel schneller zurechtgefunden und die Sonographie lieben gelernt.

Nicht nur die Arbeit selbst hat Spaß gemacht, sondern auch das Klima im Team war unglaublich familiär. Ich habe mich schnell vollkommen wohl gefühlt, nicht zuletzt, weil man oft zusammen zu Mittag gegessen hat und jeder für ein kleines Späßchen zu haben war. Auch die Lage der Praxis war toll. So konnte ich meine Mittagspausen in der Hängematte am nahegelegenen See verbringen und Schwimmen gehen, während sich meine Chefs auf dem direkt danebengelegenen Tennisplatz duelierten.

Leider ging das Tertial in der Praxis viel zu schnell vorbei, aber ich hatte eine tolle Zeit und kann jedem die Arbeit in einer Hausarztpraxis auf dem Land weiter empfehlen.

Eure Sabrina

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