MiBi und der beliebteste Prof der Uni

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Nach dem Physikum freuen sich normalerweise alle auf den praktischeren Lernstoff und den Patientenkontakt. Aber auch in der Klinik gibt es noch Fächer, die pures Auswendiglernen erfordern. Hierzu zählen Pharmakologie, Pathologie und besonders Mikrobiologie. Es gab also im fünften Semester wenige Dinge, die wir uns langweiliger vorgestellt haben, als das Auswendiglernen von Bakterien und deren Pathogenitätsfaktoren (schon dieses Wort hat uns genervt). Mit wenig Motivation sind wir also zur ersten Vorlesung gewandert. Gewandert meine ich übrigens ernst, denn Busstreiks haben in Marburg schon eine gewisse Tradition.

Der Professor hat sämtliche unserer Erwartungen beseitigt. Zunächst macht man sich Studenten in Marburg ziemlich leicht zu Freunden, wenn man aufgrund einer verlorenen Wette mit der eigenen Tochter, sein Tote-Hosen-Shirt über seinem Hemd tragen und damit eine Vorlesung halten muss. Aber auch die eigentliche Vorlesung war einfach gut. Statt der klassischen Vorlesung gab es hier tatsächlich ein Unterrichtsgespräch. Die Power-Point-Präsentation war eher Nebensache. Zu nahezu jedem Erreger gab es eine interessante Geschichte – nicht wenige davon aus dem Leben des Professors selbst. Die Geschichte über die Borreliose werden wir wohl nie vergessen.

Der Professor hatte zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, kleine Kinder und verbrachte aber trotzdem viel Zeit in der Uni und kam oft spät nach Hause. Daheim angekommen schlief seine ganze Familie bereits und er wunderte sich, warum ein Glas auf der Fensterbank stand. Da dies die Rollläden blockierte, brachte er das Glas in die Küche. Später bekam er Durst und wollte noch etwas Wasser trinken, wofür er besagtes Glas verwendete. Morgens wurde er von seinem Sohn mit den Worten geweckt: „Papa, Papa ich muss dir die größte Zecke zeigen, die ich je gesehen habe.“ Tja, die war offenbar im Wasserglas zu Hause gewesen. Der Professor machte sich wochenlang Sorgen, dass er eine Wanderröte im Magen entwickeln könnte und ließ tatsächlich eine Magenspiegelung machen. Er sagt übrigens von sich selbst übrigens, dass er ein „Über-Hypochonder“ sei.

Derartige Geschichten gab es in den Vorlesungen immer wieder, auch wenn wir uns nicht ganz sicher sind, ob die Geschichten wirklich alle wahr sind. Eins ist jedoch sicher: diese Eselsbrücken werden ewig halten.

Zwischen den Geschichten wurden immer Mikrofone rumgegeben und wir mussten Fragen zur Wiederholung beantworten. Auch wenn wir wohl alle Angst hatten, uns zu blamieren, so hat auch das wirklich beim Lernen geholfen und die mündliche Prüfung am Ende des Semesters vereinfacht. Ein ähnlicher Lernerfolg stellte sich auch im Praktikum ein, zumindest bei den glücklichen Gruppen, die besagten Professor auch dort als Dozent hatten. Wir bekamen Fallbeispiele und sollten entscheiden, welche Bakterien als Erreger in Frage kämen und die entsprechenden Tests dann durchführen. Dadurch war das Praktikum interessanter und die Verbindung zur Klinik gut erkennbar.

Die Mikrobiologie-Vorlesung war bis zum Ende des Semesters so gut gefüllt, dass Leute auf den Treppen sitzen mussten, während in den anderen Vorlesungen nur noch wenige Studenten anzutreffen waren.

Das beste an der Mikrobiologie ist jedoch die Mikrobiologie-Party. Und das sagt jemand mit ziemlicher Abneigung gegenüber Studentenpartys. Jedes Jahr mietet der Professor einen Club für uns Studenten und veranstaltet eine 80er-Party, auf der er selbst der DJ ist. Diese Party ist legendär und wird auch von den höheren Semestern jedes Jahr besucht. Ein absolut gelungener Abschluss des Wintersemesters.

Eure Pia

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