Mein erstes Pflegepraktikum

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Mein erstes Praktikum habe ich eigentlich gar nicht für das Studium gemacht, da wusste ich nämlich noch nicht, dass ich einen Studienplatz bekomme. Der eigentliche Grund war also meine Rettungssanitäterausbildung, weshalb ich klare Vorgaben für das Praktikum hatte. Ich hatte also vier Wochen in den Bereichen OP, Intensiv und Notaufnahme abzuleisten und es waren mit die spannendsten vier Wochen, die ich bisher erleben durfte.

Zunächst zur Klinik, das Krankenhaus ist ein Maximalversorger und Traumazentrum mit angeschlossener Kinderklinik und ich war wirklich glücklich dort einen Praktikumsplatz erhalten zu haben, die sind nämlich ziemlich begehrt.

Meine erste Woche begann in der Notaufnahme, also der Stelle mit der ich bisher auch am meisten Kontakt im Rettungsdienst hatte. Das Team hat mich direkt aufgenommen und mir erstmal alles gezeigt. Die Notaufnahme bestand aus zwei Schockräumen und etwa einem Dutzend weiteren Behandlungsräumen. Der chirurgische Schockraum war exakt so aufgebaut, wie ich es in der Ausbildung für den Rettungsdienst gelernt habe, also perfekt nach ABCDE. Falls euch das nichts sagt, macht nix, ist ein Algorithmus in der Notfallversorgung in dem die Probleme des Patienten so priorisiert werden, dass zuerst behandelt wird, was zuerst töten würden. Dieses Schema bot mir also die Möglichkeit sofort eine Orientierung im Raum zu entwickeln und der zuständige Rettungsassistent aus der Notaufnahme sagte mir auch, dass ich beim Schockraumalarm dabei sein dürfte. Der erste Tag lief ziemlich ruhig, sodass ich nach Absprache mit den Patienten, Zeit hatte unter Anleitung Zugänge zu legen und die Monitore anzuschließen. Ab dem zweiten Tag war eine ziemliche Personalnot erkennbar und die leitende Schwester hat mich alleine zu den Patienten geschickt, um das EKG zu schreiben und die Monitore anzuschließen, bei Problemen sollte ich sie anrufen. Am dritten Tag kündigte uns die Leitstelle der Feuerwehr tatsächlich einen Hubschrauber mit einem möglichen Polytraumapatienten an. Es handelte sich um ein kleines Kind, welches aus dem Fenster im ersten Stock gefallen war und vorweggenommen ziemlich viel Glück und einige Schürfwunden hatte. Es war faszinierend, wie abgestimmt das interdisziplinäre Team zusammengearbeitet hat. Jeder wusste exakt wo er zu stehen hatte und wann er was zu tun hatte. Im Laufe der Woche habe ich noch zwei weitere Schockraumeinsätze gesehen.

Die darauffolgenden zwei Wochen durfte ich in den Zentral-OP. In dem Krankenhaus gab es sechs OP-Räume. Einen allgemeinchirurgischen, einen neurochirugischen, einen plastischen OP, einen unfallchirurgischen und zwei zusätzliche Räume. Ich durfte mir jeden Tag die geplanten Operationen ansehen und dann entscheiden in welchen Saal ich möchte. Da ich offiziell Praktikantin in der Anästhesie war, durfte ich bei der Narkoseeinleitung helfen. In den ersten Tagen bedeutete das vor allem Medikamente vorbereiten, dann kam die Beatmung mit dem Beatmungsbeutel dazu und zum Ende der zwei Wochen durfte ich sogar selber endotracheal intubieren. Das war schon ganz schön kompliziert, da ich lediglich einmal an einer Puppe geübt hatte. Der Chefarzt der Allgemeinchirurgie hatte Freude daran, dass ich selbst Medizin studieren wollte und hat mir bei jeder Operation alles genau erklärt und gezeigt. Ich durfte mir einen Hocker an das Kopfende des Tisches stellen, sodass ich alles sehen konnte. Am meisten beeindruckt hat mich die Transplantation von Spalthaut nach einer starken Verbrennung und eine Darmverdrehung, auch Volvulus genannt, bei einem Kind. Als Dankeschön für die spannenden zwei Wochen hab ich natürlich auch hier Kuchen mitgebracht, den die Anästhesie dann versucht hat, gegen die Chirurgen zu verteidigen.

Die letzte Woche war dann auf der Intensivstation. Eine junge Schwester hat mich direkt rumgeführt und mir gesagt, dass ich die Woche bei ihr bleiben würde. Zu Schichtbeginn wurde im Team entschieden, welche zwei Patienten jeder Pfleger übernehmen sollte. Meine Aufgabe war zum einen bei der Körperpflege zu helfen und zum andern die Medikamente vorzubereiten. Außerdem habe ich einen stündlichen Check-up durchgeführt und alle Vitalparameter aufgeschrieben. Einige der Patienten kannte ich bereits aus dem OP-Saal und konnte hier jetzt deren Fortschritte beobachten und mich mit Ihnen unterhalten. Bei einem Patienten durfte ich zusehen, wie er tracheotomiert wurde, da er einige Druckstellen von der langen Beatmung über einen einfachen Tubus bekommen hatte.

Vermutlich lag es vor allem an dem sehr motivierten interdisziplinären Team aus Ärzten und Pflegekräften, dass ich ein so lehrreiches und spannendes Praktikum hatte. Ich kann nur jedem empfehlen so ein Praktikum zu machen. Bei mir wurde dieses auch für das Studium angerechnet, da es im Rahmen einer Ausbildung stattgefunden hat. Leider sind die Notaufnahme und der OP sonst, zumindest in Hessen, für die Pflegepraktika in der Vorklinik nicht zugelassen. Also genau informieren was machbar ist, aber Spaß macht es definitiv.

Eure Pia